Ausfahrt Bildschirmpension: Der neue Lena-Odenthal-"Tatort"

6. Jänner 2018, 18:00
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Kollege Mario Kopper ist am Ende seiner Ermittlertätigkeit brutal mit seinen sizilianischen Wurzeln konfrontiert

Wie wird man einen Serienhauptdarsteller möglichst elegant los? Entweder man tötet ihn oder macht ihn zum strauchelnden Helden. Im Fall bereits lange Jahre Dienst tuender TV-Kommissare ist letztere Ausfahrt in die Bildschirmpension eine naheliegende.

Ulrike Folkerts als Lena Odenthal ermittelt also im Tatort aus Ludwigshafen in gleich zwei Fällen vom Kollegen ziemlich alleingelassen, denn Andreas Hoppe alias Mario Kopper ist bedrückter Stimmung. Im Finale seiner Ermittlertätigkeit seit 1996 wird er brutal mit seinen sizilianischen Wurzeln konfrontiert. Kopper heißt denn die Folge.

foto: orf/ard/swr/roland suso richte
Andreas Hoppe, ein letztes Mal als Mario Kopper.

In unglücklicher Zuspitzung anfangs glücklicher Umstände erschießt er außer Dienst einen jungen Mafioso. Das trübt die Freude über das zeitgleiche Wiedersehen mit seinem alten Jugendfreund Sandro jäh. Die Koinzidenz nährt bald Skepsis. Alte Freundschaft ist aber ein besond'res Band.

"Kommandieren ist besser als Ficken"

Wer aus dem Sommerurlaub noch ein paar Brocken Italienisch in sich trägt, kann sie so ausgraben, wie es die Mafia mit alten Giftmüllfässern tut, die sie dank EU-Subventionen mehr als kostendeckend noch ein zweites Mal entsorgen lässt.

Die "italienisch organisierte Kriminalität" köchelt mit – keine Spoiler – Strangulation im Gefängnis, Kronzeugenschutzprogramm, italienischem Edelrestaurant namens Stradivari und dunklen Anzügen gesetzmäßig vor sich hin. Erwartbar auch die Feststellung: "Die größten Sauereien bringen das meiste Geld." Der Vorgesetzte Benninger ist für Odenthals Falllösungsvorhaben ein Hemmschuh erster Güte. Dazu passt eine andere mafiöse Offenbarung des Abends: "Kommandieren ist besser als Ficken." Ein solides Ciao. (Michael Wurmitzer, 6.1.2017)

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