Kunasek gegen Vorschlag Straches, Asylwerber in Kasernen zu stecken

    Video5. Jänner 2018, 09:58
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    FPÖ-Chef denkt auch an eine Art Ausgangssperre am Abend. Die Wiener Stadtregierung reagiert empört auf die Vorschläge

    Wien – Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) kann sich vorstellen, Asylwerber in Wien künftig in Kasernen unterzubringen. Zu diesem Zweck will der Chef der Blauen diskutieren, in welchen Kasernen es eine "optimierte Nutzung" gebe und welche Gebäude derzeit "nicht ausgelastet" seien. Auch eine Art Ausgangssperre für Flüchtlinge hält der FPÖ-Obmann für denkbar, wie er am Donnerstagabend im Interview mit "Wien heute" erklärte: "Es ist ja bereits in der Vergangenheit darüber diskutiert worden, ob es nicht so sein soll, dass ab einer gewissen Abendzeit alle wieder in der Kaserne zu sein haben. Es braucht Ordnung, solange es ein offenes Asylverfahren gibt."

    Kunasek: "Kein Thema"

    Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) will die Idee seines Parteichefs, derzeit nicht weiterverfolgen: "Es ist in meinem Ressort im Moment kein Thema", sagte Kunasek am Freitag am Rande der Regierungsklausur im steirischen Schloss Seggau.

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    Heinz-Christian Strache in "Wien heute".

    Der Wiener Integrationsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) zeigte sich in einer ersten Reaktion empört: "Es ist ein unglaubliches politisches Armutszeugnis, wenn man gar nicht erst versucht, dass Menschen, die zu uns kommen, so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen, sondern sie einfach nur wegsperrt." Das Wort "Integrieren", dass die FPÖ ganz offenbar ohnehin nie verstanden habe, werde gleich durch "Internieren" ersetzt, sagte Czernohorszky zum STANDARD. Er forderte von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), sich "sofort von diesen wirren Ideen" zu distanzieren und seinen Vizekanzler "zurückzupfeifen".

    Er sei "fassungslos, wes Geistes Kinder diese Burschen sind", reagierte der Chef des Fonds Soziales Wien, Peter Hacker. Der Vorschlag sei "Symbolpolitik".

    Gudenus will Massenquartiere

    Schon im Regierungsprogramm von ÖVP und FPÖ hatte es geheißen, dass die Unterbringung von Asylwerbern neu geregelt werden solle. Auch der ehemalige Vizebürgermeister Wiens, FPÖ-Abgeordneter Johann Gudenus, hatte bereits vorgeschlagen, Asylwerber in Massenquartieren am Wiener Stadtrand unterzubringen. Wien lehnte die Idee sogleich ab. (Oona Kroisleitner, 4.1.2018)

    • Vizekanzler Heinz-Christian Strache gefällt gar nicht, was er in Wien sieht: "Es braucht Ordnung, solange es ein offenes Asylverfahren gibt."
      foto: reuters/heinz-peter bader

      Vizekanzler Heinz-Christian Strache gefällt gar nicht, was er in Wien sieht: "Es braucht Ordnung, solange es ein offenes Asylverfahren gibt."

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