Pro und Kontra: Neue Radarkontrollen

Kommentar3. Jänner 2018, 17:27
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Die FPÖ ist verkehrstechnisch im Populismus-Wahn, aber bestimmte Standorte von Geschwindigkeitsmessungen zu überdenken, erscheint gerechtfertigt

PRO: Optimieren, nicht abschaffen

von Michael Simoner

Jetzt einmal ehrlich: Wer hat sich nicht schon über Radarfallen im Straßenverkehr geärgert, die so aufgestellt sind, dass sie nur einen Zweck erfüllen können: Geld in die Amtskasse zu spülen. Auf der Autobahn innerhalb von 100 Metern auf 80 km/h herunterzubremsen ist ja schon fast eine Notbremsung.

Dieses Beispiel ist nicht frei erfunden, sondern sorgte im Vorjahr auf der Südostautobahn für böses Autofahrerblut. Die Reduktion des Tempolimits wegen einer Baustelle war prinzipiell okay, aber die Radarbox wurde viel zu knapp nach der 80er-Tafel positioniert. Innerhalb von nur zwei Wochen tappten 200.000 Autofahrer in die Falle.

Der Vorschlag von Innenminister Herbert Kickl, bestimmte Standorte von Geschwindigkeitsmessungen zu überdenken, erscheint gerechtfertigt. Er sagt ja nicht, dass Radarkontrollen abgeschafft, sondern optimiert werden sollen. Es gibt viele unfallträchtige Bundes- und Landesstraßen (im Volksmund werden diese ohnehin schon oft "Todesstrecken" genannt), die durch Tempokontrollen entschärft werden könnten. Entscheidend sind also das Wo und Wie.

Natürlich ist es auch ein populistischer Schachzug von Kickl, eine Diskussion über die Neuverteilung der Radarmessungen anzureißen. Das lässt niemanden kalt. Eigentlich merkwürdig, dass die Idee nicht schon einem seiner Vorgänger gekommen ist. (Michael Simoner, 3.1.2018)

KONTRA: Kickl im Populismuswahn

von Guido Gluschitsch

"Schikane" fällt Innenminister Herbert Kickl ein, wenn er an Radarkontrollen denkt. "Schikane" fällt auch vielen Bürgermeistern ein, wenn sie überlegen, wie sie es schaffen, das Tempo der Autos drosseln zu können, wenn diese in den Ort einfahren, und bauen fast in jeder Ortseinfahrt eine solche auf. Diese Verkehrsinseln mitten auf der Straße verfehlen nicht ihren Zweck, kosten einen Haufen Geld bei der Errichtung und auch später bei der Erhaltung, so sie nicht ein Unkraut-Wunderland sein sollen. Eine Radarpistole könnte genau dort vermutlich genauso viel Geld reinholen, wie die Gemeinden für Inseln ausgeben. Aber darum geht es ja nicht.

Die FPÖ ist verkehrstechnisch im Populismus-Wahn, nach der Idee vom Ende des Luft-Hunderters und jener vom Anheben der Maximalgeschwindigkeit ist Kickl jetzt eben eingefallen, dass man nur noch dort nicht ungestraft rasen dürfen soll, wo Schulen und Kindergärten stehen.

Nun ist der Verkehrsclub Österreich ja an und für sich nicht die Brutstätte für geniale Verkehrsideen, aber dass Kinder auch auf dem Weg zur Schule den Gefahren des Verkehrs ausgesetzt sind, hat er verstanden. Doch Kickl ist gerade in seinem Element, dem schmalgeistigen Autofahrer jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Und lassen Sie mich raten, was demnächst kommt: Parken auf dem Gehsteig, Abdrängen von Langsamfahrern, Freigabe von Slicks und ein Spritgutscheinprogramm für Punkte im Führerschein. (Guido Gluschitsch, 3.1.2018)

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