Ford Fiesta: Klein ist eine relative Größe

    12. Jänner 2018, 07:34
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    Ja, es gibt sie noch, die ganz "normalen " Kleinwagen. Wir haben den neuen Ford Fiesta mit dem zweitschwächsten Benziner getestet, dem mit 85 PS

    Wien – Zeit- und schnörkellos steht er da, der neue Fiesta. Schon wieder, möchte man anerkennend hinzufügen, denn anders als der fünftürige Focus mit seiner verunglückt-patscherten Heckleuchtengrafik ist der kleinere Bruder stets ohne stilistische Bruchstellen ausgekommen.

    foto: andreas stockinger
    Lagun-Blau Met. heißt die Farbe, und "Met" hat weder mit Honiggetränk noch mit Metropolitan Opera zu tun. Passt jedenfalls gut zum neuen Fiesta, der wie gewohnt unaufdringlich gefällig daherkommt.

    Ähnlich wie der Rest der traditionellen Kleinwagen – VW Polo, Opel Corsa, Renault Clio etc. – hat er im Lauf der Generationen ordentlich zugelegt. Der erste Fiesta von 1976 war 3,57 Meter lang, zuletzt kam er auf 3,97 Meter, neuerdings sind es 4,04 – bei gleichem Radstand übrigens wie beim Vorgänger, woraus sich schließen ließe, dass Ford bei der technischen Architektur durchaus auf Bewährtes zurückgegriffen haben mag.

    Aufgeräumter Innenraum

    Anders aber als der Vorgänger wirkt er jetzt auch innen sauber und aufgeräumt, die merkwürdigen tasten- und knopferlbefrachteten Geschwüre in der Mittelkonsole sind Geschichte, die wesentlichen Bedienfunktionen sind ins Multifunktionslenkrad gewandert, der Rest in den zentralen Infotainmentbildschirm über den mittigen Lüftungsdüsen. Resultat: Laut Hersteller fast um die Hälfte weniger Schalter und Knöpfe. Auch die Bedienlogik hat enorm gewonnen, trotz Touchscreens.

    foto: andreas stockinger
    Der neue Innenraum des Fiesta.

    Und wenn wir schon dabei sind: Für einen Kleinwagen hat der Fiesta erstaunlich viele technische Inhalte zu bieten, von den (Sicherheits-)Assistenzsystemen bis zum Vernetzungspotenzial – Digitalisierung ist eben inzwischen in fast jeder Fahrzeugklasse ein Thema.

    foto: andreas stockinger
    Das Mäusekino.

    Ford geht sogar einen Schritt weiter und bietet Behältnisse (Handschuhfach, Türseitenfächer) für analoge Ausgaben von E-Reader-Inhalten. Die Innovation nennt sich Buchdruck, ein gewisser Johannes Gutenberg hat sich das einfallen lassen. Braucht keine Energie, gibt eher welche ab. Hält praktisch ewig und die Ortungsfunktion ist permanent deaktiviert – blöde Sache für NSA und andere Big-Data-Sammler ...

    foto: andreas stockinger
    Das knackige Heck des Fiesta.

    Die Frage, ob das Wachstum an die Insassen weitergereicht wurde, darf mit Ja beantwortet werden. Bei wie gesagt gleichem Radstand ging sich ein leichtes Breitenwachstum aus (1,2 cm). Das und die schlankeren Sitze sorgen auch hinten für angenehmere Platzverhältnisse, sodass man dort nun auch Freunde guten Gewissens unterbringen kann.

    foto: andreas stockinger
    Fast 1100 Liter passen in den Kofferraum.

    Motorisiert waren wir mit dem neuen 1,1-Liter-Sauger-Benziner mit 85-PS-Version, dazu gereicht wird eine oben lang übersetzte 5-Gang-Schaltung. Der 3-Zylinder ersetzt den bisherigen 1,25er. Klar, die Leistung langt völlig für so ein Auto. Kennt man aber den turbobeatmeten 1,0-Liter-EcoBoost, dann fehlt einem hier was, Stichwort: Fahrspaß. Und so viel sparsamer ist der 1,1er auch nicht. (Andreas Stockinger, 12.1.2018)

    foto: andreas stockinger

    ZWEITE MEINUNG

    Der neue Ford Fiesta bietet innen mehr Platz, als man von außen vermuten würde. Der Mini ist aber auch maxi, was elektronische Helferlein betrifft: Die meisten Assistenzsysteme, die man bei teureren Autos gewohnt ist, stehen im neuen Fiesta ebenfalls zu Diensten. Bequem ist der acht Zoll große Touchscreen, über den sich alle Funktionen (auch die Smartphone-Anbindung) intuitiv bedienen lassen. Entfernt man den doppelten Boden im Kofferraum, gewinnt man rund 15 Zentimeter an Tiefe. Im Notfall lässt sich sogar ein Rollstuhl verstauen. (Günther Strobl)

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    Ford

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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