Zwei Typen von Gesichtern stechen für uns aus einer Menschenmenge hervor

5. Jänner 2018, 11:32
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Israelische Forscher konfrontierten in einem Experiment ihre Probanden mit einer wahren Bilderflut

foto: hebräische universität jerusalem
Unsere Wahrnehmung "meldet" nicht alle diese Gesichter unserem Bewusstsein gleich schnell.

Jerusalem – Versuchen Sie sich an Ihren heutigen Weg zur Arbeit oder zum Einkauf zurückzuerinnern: Wie viele Gesichter der Menschen um Sie herum haben Sie bewusst wahrgenommen, während der Rest zu einer buchstäblich gesichtslosen Masse verschmolz?

Israelische Forscher sind nun der Frage nachgegangen, was ein Gesicht an sich haben muss, damit es für uns aus einer Menschenmenge hervorsticht. Nach Durchführung eines Experiments kamen sie zum Resultat, dass es im Wesentlichen auf nur zwei Varianten hinausläuft: Dominanz ausstrahlende und Vertrauen erweckende Mimik.

Das Team um Ran Hassin von der Hebräischen Universität Jerusalem konfrontierte seine 174 Probanden mit einem wahren Kaleidoskop von 300 rasch wechselnden Bilder-Sets. Einem Auge wurde dabei jeweils ein Gesicht mit wechselndem Ausdruck gezeigt, dem anderen geometrische Formen. Aufgabe der Probanden war es, in der auf sie einprasselnden Flut an optischen Eindrücken immer dann auf eine Keyboard-Taste zu drücken, wenn sie ein Gesicht sahen.

Welche Stimuli unser Gehirn aufgreift

Wegen der Bilderflut dauerte es stets ein paar Sekunden, bis sich eine unbewusste Wahrnehmung auch im Bewusstsein materialisierte, was den Tastendruck ermöglichte. Es zeigten sich aber Unterschiede in der Schnelligkeit der Verarbeitung und ein klarer Favorit: Unter den standardisierten Gesichtsausdrücken wurden im Schnitt jene am schnellsten registriert, die Dominanz und Bedrohung ausstrahlten. Zu einem geringeren Grad hoben sich auch die Vertrauenswürdigkeit transportierenden Ausdrücke von den neutralen ab.

Hassin spricht von einem "mentalen Algorithmus", der die höchste Priorität auf potenzielle Bedrohungen legt. Allerdings seien solche Prozesse auch dynamisch. Wer sich zum Beispiel in einer Phase der Partnersuche befinde, dessen Wahrnehmung könnte vorübergehend entsprechend umjustiert sein – ganz ohne dass dies dem Betreffenden bewusst wäre. (red, 5. 1. 2018)

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