Malerin Sophie Reinhold: Keine Angst vor alten Hasen

    30. Dezember 2017, 12:00
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    Sinnliche Schau in der Galerie Tappeiner in Wien: "What If Everything Was The Same? Exchange of Vacuums"

    Will man die Wiener Galerie Sophie Tappeiner betreten, muss man derzeit durch einen roten Plastikvorhang hindurch. Das erinnert der Farbe wegen ein wenig ans Rotlichtmilieu, dem gummigen Material geschuldet ist der Gedanke an eine Autowaschanlage. Im Inneren sieht es dann anders aus. Sophie Reinhold (geb. 1981 in Berlin) ist Malerin und ihrem Medium gegenüber sehr selbstbewusst: "Die Malerei ist die Malerei, und das hier ist Malerei, da brauche ich nicht noch andere Punkte bedienen", begann die Künstlerin ein Interview mit dem Kunstmagazin Spike.

    foto: manuel carreon lopez
    Ausstellug in der Galerie Sophie Tappeiner: "What If Everything Was The Same? Exchange of Vacuums"

    Und in der Tat: Vom Vorhang einmal abgesehen hängen in der Ausstellung What If Everything Was The Same? Exchange of Vacuums alle Arbeiten an der Wand: Vom üblichen Tafelbild unterscheiden sie sich dennoch. Sophie Reinhold bedient sich ungewöhnlicher Bildformate und sämtlicher Mittel der Bildproduktion.

    Dem Eingang vis-à-vis hängt etwa ein riesiges Format, das auf Grafit basiert. Es ist an den Rändern leicht nach außen gewölbt, was den metallisch-glänzenden Effekt des wiederholt geschliffenen und geglätteten Grafitabriebs noch verstärkt.

    "Shaped Canvas"

    Dass die Künstlerin sehr bedacht auf Größe und Form ihrer Bildträger ist, belegen auch die anderen Malereien: In Leda und der Schwan greift die Künstlerin etwa auf den in der Kunstgeschichte gerne interpretierten griechischen Mythos zurück. Reinhold hat allerdings die Formen alter, gerundeter Eckbadewannen als Bildträger benutzt, die an die Kunstrichtung der "Shaped Canvas" erinnern. Die Körperlichkeit der Formen potenzieren aber vor allem die sinnliche Wirkung. Zu Hilfe kommt Sophie Reinhold dabei außerdem das verwendete Marmormehl, das einen sehr hellen, fast fleischigen Farbton hat. Oder auch ihre Finger, mit denen sie gestische Spuren im flutschigen Material hinterlässt.

    foto: manuel carreon lopez
    Sophie Reinhold: "Vanilla Cactus" (2017)

    Aufs Geschichtenerzählen verzichtet sie aber auch nicht: Have you ever been mellow? ("Warst du schon mal beschwipst?") scheint eine wackelige Ente den Betrachter zu fragen. Der Hase auf einem Tondo hat eher selbstreflexives Potenzial: Reinhold hat das realistisch gezeichnete Tier mit Old Fear betitelt. Ihre Ehrfurcht vor den Alten Meistern, so lässt dieser augenzwinkernde Verweis auf den Dürer-Hasen vermuten, hat Reinhold also bereits abgelegt. (Christa Benzer, 30.12.2017)

    Bis 13. 1.

    Galerie Sophie Tappeiner

    An der Hülben 3, 1010 Wien

    www.sophietappeiner.com

    • Gruß an Dürer: Sophie Reinholds "Old Fear" von 2017.
      foto: manuel carreon lopez

      Gruß an Dürer: Sophie Reinholds "Old Fear" von 2017.

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