Wenn die Oma das Internet löscht

29. Dezember 2017, 07:00
598 Postings

In der Weihnachtszeit werden heimgekehrte Kinder oft zu vermeintlichen Technikexperten, um kaputte Drucker und verschwundene Dateien zu retten

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr soll ja sehr besinnlich sein. Der Christbaum steht noch, der Kühlschrank wird von den Resten der Festessen nach und nach befreit, oft sind Kinder und Enkelkinder zu Besuch. Wären da nicht die vielen kleinen und großen elektronischen Geräte mit ihren tausend Funktionen, Knöpfen und Steckern. Die verschenkten Tablets und die alten Riesenfernseher, die Mixgeräte, die Hightech-Staubsauger und Facebook-Profile.

Gerade in der letzten Dezemberwoche werden heimgekehrte Kinder oft zu vermeintlichen Genies ernannt und beauftragt, die technischen Schwierigkeiten der (meist älteren) Familienmitglieder zu lösen. In der IT-Branche sieht man die familiären Hilfestellungen als Entlastung. "Für solche Kleinigkeiten würde so viel Zeit draufgehen, die könnte ich unmöglich verrechnen", erzählt ein Berater aus Graz. Auch bei einem Wiener Unternehmen berichtet man von ähnlichen Erfahrungen: "Bei größeren Problemen kommen Kunden ja weiterhin zu uns."

Von Helden und Schwiegermüttern

Im STANDARD-Forum haben User von ihren Erfahrungen erzählt. Während zahlreiche Nutzer die Feiertage offenbar mit dem Installieren von Druckertreibern verbrachten, waren andere tatsächliche Helden: Gleich zwei User haben die Löschung des Internets rückgängig gemacht. Ein nächster überzeugte die Schwiegermutter, dass sie keinen neuen PC kaufen müsste, nur weil am Desktop kein Platz für neue Dateien übrig sei. Ein anderer User verbrachte die Feiertage wiederum damit, diverse freizügige Programme aus der Senderliste der Schwiegermutter zu löschen. Aber auch STANDARD-Redakteure werden nebenberuflich zu Technikberatern.

  • Großangelegte Geburtstagswünsche: "Alles Gute zum Geburtstag!", lautet der Facebook-Status meiner Mutter. Natürlich gelten die Glückwünsche nicht ihrem gesamten Freundeskreis, sondern meiner Cousine in Berlin. Den Unterschied zwischen einer privaten Unterhaltung und einer Statusmeldung habe ich also noch nicht verständlich genug erklärt. Ganz so simpel ist das mit diesen Smartphone-Apps aber auch nicht. Dass manche eine An- und Abmeldefunktion haben, ist für sie nicht selbstverständlich: So wird die App nach jeder Anwendung gelöscht und beim nächsten Mal wieder aufs Neue installiert. Die Nachhilfe trägt aber auch Früchte: Die Neuinstallation macht Mama ganz ohne fremde Hilfe. (lauf)

  • Der Trottel-Computer: "Hallo, der Computer spinnt wieder. Der Trottel tut nicht, was ich will." So begannen vor bald 20 Jahren viele Telefonate mit meinem Vater – und zwar mehrmals täglich. Für mich war das ein großer Lernprozess. Nicht nur in Psychologie (zum Beispiel kommt es nicht so gut an, wenn man entgegnet, dass der Computer kein Trottel ist, sondern nur das tut, was der Nutzer von ihm verlangt), sondern auch in fernmündlicher Systemwartung.
    Irgendwann wurden die Anrufe aus Italien seltener, nach ein paar Jahren beschränkten sich unsere Gespräche auf normale Konversation, auf freundliche Fragen nach dem persönlichen Wohlbefinden – und nicht nach dem "Trottel". Stichprobenartige Systemchecks am Laptop vor Ort zu Weihnachten führten dazu, dass Schockerlebnisse ausblieben. Alle Dateien da, keine korrupten Files, keine Viren. Und auch die Mails der armen Elena aus Russland oder des reichen Erben aus Nigeria werden nicht einmal ignoriert. Bravo Papa! (gian)

  • Unbewegliches WLAN: Ich war froh zu sehen, wie meine Mutter fröhlich wie ein Teenager Whatsapp-Nachrichten versendete, als sie ihr erstes Smartphone bekam. Doch es kam öfter vor, dass eine Nachricht von mir an sie "nicht durchgegangen ist". Sie sagte das mit einer abgeklärten Selbstverständlichkeit, weil: Da könne man halt nichts machen. Ich habe ihr dann das mit WLAN und den mobilen Daten erklärt und, dass man das WLAN von zu Hause nicht mitnehmen kann hinaus in die Welt. Es war ein kräfteraubendes Gespräch. Aber sie antwortet jetzt schneller auf Whatsapp-Nachrichten. Und immerhin: Sie ist Mitte 70. Wer weiß, was meine Kinder mir in dem Alter werden erklären müssen. (cms, 29.12.2017)
  • Von der Löschung des Internets bis zum "Trottel", dem Computer: Die Probleme der Anverwandten sind oft breit gestreut.
    foto: dpa

    Von der Löschung des Internets bis zum "Trottel", dem Computer: Die Probleme der Anverwandten sind oft breit gestreut.

Share if you care.