Apotheker werden zur Fortbildung verpflichtet

    28. Dezember 2017, 10:14
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    Kammerpräsidentin Mursch-Edlmayr: Situation für Apotheke ist angespannt – Klagen über niedrige Margen

    Wien – In Österreich gibt es mehr als 1.350 öffentliche Apotheken. Die Kundenzahl beläuft sich täglich auf rund 400.000 Personen, die fachliche Beratung und eine reibungslose Arzneimittelversorgung erwarten. Dem will man in der Österreichischen Apothekerkammer durch eine Fortbildungspflicht für die Apotheker Rechnung tragen, kündigte Kammerpräsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr jetzt gegenüber der APA an.

    "Zu einem verpflichtenden Fortbildungsprogramm für Apotheker existieren in der Österreichischen Apothekerkammer bereits Unterlagen aus dem Jahr 2012. Das wurde damals nicht umgesetzt", sagte die Oberösterreicherin. Jetzt sei es an der Zeit, das Projekt zu realisieren, durchaus in Anlehnung an den verpflichtenden Fortbildungsnachweis, den mittlerweile jeder in Österreich tätige Arzt regelmäßig erbringen muss.

    6.000 Apotheker in Österreich

    "Ich denke aber, wir haben damit überhaupt kein Problem. Bei unserer letzten zentralen Fortbildungsveranstaltung in Wien waren allein schon zwischen 800 und 900 Apotheker." Insgesamt gibt es in Österreich knapp unter 6.000 selbstständige und angestellte Apotheker.

    Österreichs Ärzte müssen über den Besuch von zertifizierten Fortbildungsveranstaltungen, Kongressen, durch Fachliteratur etc. innerhalb von drei Jahren 150 Fortbildungspunkte auf ihrem elektronischen Konto sammeln. Zum ersten Stichtag des Programms war das bei mehr als 95 Prozent der betroffenen rund 33.000 Ärzte der Fall – sonst gibt es disziplinarrechtliche Konsequenzen.

    Spezialisierung nötig

    Für die Zukunft sieht Ulrike Mursch-Edlmayr die Spezialisierung und vermehrten Service für die Kunden bzw. Patienten als Schlüssel für die Zukunft ihres Standes an. "Die Situation innerhalb der Apothekerschaft ist angespannt und durch Verunsicherung geprägt", betonte die Standespolitikerin. Während man mit Öffnungszeiten, Nacht- und Wochenenddiensten sowie zahlreichen anderen gesetzlichen und per Verordnung geregelten Anforderungen Dienstleistungen und Service biete, sehe es bei der Finanzierung schlecht aus.

    "Mit dem Umsatz aus den Arzneimitteln auf Kosten der Krankenkassen ist das notwendige Geld dafür nicht mehr zu verdienen. Wir haben eine Marge von rund 14 Prozent und einen Personalkostenanteil von 16 Prozent." Das ginge sich nicht aus. "Es gibt keinen anderen Berufsstand im Gesundheitswesen, der in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr verdient hat, sondern weniger."

    Margen sinken

    Laut den Angaben der Österreichischen Apothekerkammer ist die durchschnittliche Krankenkassenspanne auf Medikamente innerhalb eines Jahrzehnts von 19,48 Prozent auf 15,43 Prozent im Jahr 2016 gesunken. Das war ein Rückgang um 20,8 Prozent. Preisdämpfende Maßnahmen – zuletzt für die Pharmaindustrie in Österreich auch per Gesetz verordnet – schlagen über die Margen automatisch auf die Apotheken durch.

    Dagegen seien in den vergangenen Jahren die Ausgaben sowohl für die Krankenhäuser als auch für die medizinische Versorgung im niedergelassenen Bereich gestiegen, betonte die Kammerpräsidentin. "Die wirtschaftliche Situation der Apotheken wird durch den Standort, die Größe, die Ausrichtung, Zusatzangebote und andere Dienstleistungen bestimmt." Etwa ein Drittel der österreichischen Apotheken hätte mit Spezialisierung etc. bereits neue Wege beschritten, ein weiteres Drittel arbeite mit perfektem Management im traditionellen Bereich der Arzneimittelversorgung erfolgreich, der Rest sei weniger zuversichtlich.

    Wolle man die flächendeckende Versorgung durch öffentliche Apotheken in Österreich weiterhin sicherstellen, müsse man aber in Zukunft auch bei der Bezahlung der Apothekenleistung neue Lösungen finden. "Wir brauchen da modifizierte Konzepte. Es kann kein reines 'Spannensystem' (Aufschlag auf Arzneimittel auf Kassenrezept; Anm.) mehr sein."

    Ulrike Mursch-Edlmayr hat Wünsche an die Gesundheitspolitik: "Wir wollen in alle Entwicklungen und strategischen Entscheidungen von Beginn an einbezogen werden." Auf Augenhöhe könne man wichtige Entscheidungen auch besser treffen. Andererseits sei man durchaus zufrieden mit dem aktuellen Regierungsprogramm: "Die Apotheker stehen erstmals und gleich mehrmals im Regierungsprogramm." (APA, 28.12.2017)

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      foto: corn
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