Hineinspringen ins Unwägbare

    27. Dezember 2017, 17:40
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    In Oberstdorf hebt am Samstag die 66. Vierschanzentournee ab. Spekulationen über den möglichen Gesamtsieger sind aber auch nach dem Springen unter dem Schattenberg müßig

    Oberstdorf/Wien – Kein Auftakt der Vierschanzentournee ohne folgende Warnung an die Herren Skispringer: In Oberstdorf ist die Tournee nicht zu gewinnen, wohl aber leicht zu verlieren. Am Samstag (16.30, ORF 1) folgt in der neuerdings Audi-Arena Oberstdorf geheißenen Anlage am Fuße des Schattenbergs vor sicher ausverkauftem Halbrund die Probe aufs Exempel – zum 64. Mal, obwohl bereits die 66. Tournee der Geschichte gegeben wird. Die erste hob nämlich am Neujahrstag 1953 in Garmisch-Partenkirchen ab, 1971 wurde auf dem Bergisel zu Innsbruck begonnen.

    An der Wirkmächtigkeit des Titels Auftaktspringen ändert das nichts. Und natürlich haben mehr hoffnungsvolle Skispringer die Tournee im Oberallgäu verloren als gewonnen. Aber auch die Mehrzahl der Sieger von Oberstdorf konnte den länderübergreifenden Event schließlich nicht für sich entscheiden – diesbezüglich steht es 41:24.

    Besonders litt Martin Schmitt unter dem Fluch des Auftaktsieges. Das deutsche Idol gewann von 1998 bis 2000 dreimal en suite auf der Schattenbergschanze, konnte die Tournee aber bis zu seinem endgültigen Karriereende 2014 nie gewinnen. Dem Druck der Nation, die derart angefixt den Gesamttriumph erwartet hatte, war er einfach nicht gewachsen. Wie Schmitt gewann auch Anton Innauer die Tournee nie – trotz zweier Siege in Oberstdorf.

    Den tiefsten Fall eines Oberstdorf-Siegers legte allerdings Reinhard Schwarzenberger hin. Nach seinem Sieg im allerersten Weltcupspringen 1994 flatterte der 17-jährige Salzburger in den restlichen drei Tourneebewerben auf die Plätze 24, 21 und 19. Er wurde schließlich gesamt nur 16. Im Jahr darauf brachte der Oberstdorf-Erfolg dem Finnen Mika Laitinen kein Glück – im folgenden Training für das Garmischer Neujahrsspringen brach er sich bei einem Sturz sieben Rippen und das Schlüsselbein und sollte danach nie wieder zum Einzelsieg im Weltcup zurückfinden.

    Die Oberstdorf-Geschichte des Schweizers Simon Ammann ist dagegen noch nicht zu Ende erzählt, was für sich schon eine Geschichte ist. Zum 20. Mal nimmt der viermalige Olympiasieger am Samstag die Tournee in Angriff, zweimal gewann er bisher in Oberstdorf, dem Tourneesieg springt er mit seinen 36 Jahren bis dato hinterher.

    Krafts Grundstein

    Für die Österreicher – Schwarzenberger und Innauer einmal ausgenommen – war ein Oberstdorf-Sieg nicht ausschließlich ein schlechtes Omen. Stefan Kraft, diesmal wohl die einzige Hoffnung auf den 17. Gesamtsieg für den ÖSV, legte hier den Grundstein zum Tourneesieg 2015, gewann allerdings im Vorjahr ohne späteres Happy End. Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer schafften ebenfalls bei je zwei Oberstdorf-Siegen je einmal quasi den Durchmarsch. Für Willi Pürstl, Hubert Neuper und Andreas Kofler führte der Oberstdorf-Sieg allerdings direkt ins Gesamtglück. (Sigi Lützow, 27.12. 2017)

    • Reinhard Schwarzenberger (auf einem Bild aus dem Jahr 2001) brachte anno 1994 sein Sieg in Oberstdorf kein Glück.
      foto: apa/gindl

      Reinhard Schwarzenberger (auf einem Bild aus dem Jahr 2001) brachte anno 1994 sein Sieg in Oberstdorf kein Glück.

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