Grünes Licht: Tschechen kontrollieren Casinos Austria

27. Dezember 2017, 17:00
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Die tschechische Sazka-Gruppe hat alle Genehmigungen erhalten, die sie braucht, um größte Einzelaktionärin der Casinos Austria zu werden

Wien – Kurz vor Weihnachten hat die tschechische Sazka-Gruppe ihr Ziel erreicht: Sie darf mit 34 Prozent größter Einzelaktionär der Casinos Austria AG (Casag) werden. Im Dezember hat die Gruppe alle behördlichen Genehmigungen erhalten, die dafür Voraussetzung sind: Die Glücksspielbehörden haben sie gleichsam für "fit and proper", also für eigentümertauglich, erklärt. Nun kann die Gruppe auch jene 22,7 Prozent der Anteile an der teilstaatlichen Casag übernehmen, die ihr der Raiffeisenkonzern Leipnik Lundenburger (LLI) und der Versicherer Uniqa verkaufen.

Die Tschechen werden damit 34 Prozent des Glücksspielkonzerns halten, noch vor der staatlichen Beteiligungsholding Öbib, die 33,24 Prozent hält, und vor Casag-Konkurrent Novomatic mit 17 Prozent. Den Rest an der Gesellschaft halten private Aktionäre.

Bescheide erhalten

In der Hand hat die Sazka-Gruppe rund um die tschechischen Unternehmer und Milliardäre Karel Komárek und Jiří Šmejc seit kurzem auch die zuletzt noch fehlende Zustimmung der Behörden in Australien und der Schweiz. Die ist notwendig, weil die Casag ja über ihre Tochter Casinos International (CAI) 32 Kasinos im Ausland sowie Automatenglücksspiel in Mazedonien betreibt. Die entsprechenden Bescheide haben die Tschechen vor kurzem erhalten.

Vorige Woche hat dann auch das fürs österreichische Glücksspiel zuständige Finanzministerium in Wien grünes Licht für den Einstieg der Tschechen gegeben. Der Bescheiderstellung ist die gesetzlich vorgesehene Prüfung (eben eine Art Redlichkeitsprüfung) vorausgegangen. Die Behörde hatte "keine Einwände" gegen den neuen Mehrheitseigentümer. Das bestätigte ein Sprecher des Finanzministeriums auf Anfrage des STANDARD am Mittwoch.

Damit ist der Weg der Sazka-Gruppe – konkret: deren österreichischer Came Holding GmbH – frei für die Übernahme jenes 22,7-Prozent-Pakets an der Casag, das vom Mühlenkonzern LLI und Uniqa kommt. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hat schon im September erklärt, keinen Einwand gegen den Deal zu haben. Ihre ersten rund elf Prozent an der Casag hatte Sazka bereits vor ziemlich genau einem Jahr, im Jänner 2017, erworben.

Deal steht am 15. Jänner

Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic hätte eigentlich 40 Prozent an seinem teilstaatlichen Konkurrenten übernehmen wollen, diesem Vorhaben haben aber die Kartellwächter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Novomatic darf maximal 25 Prozent an der Casag halten.

Beschlossen wird der Deal mit den Tschechen am 15. Jänner 2018. Für diesen Tag wurde zu einer außerordentlichen Hauptversammlung am Sitz der Casinos AG in Wien-Landstraße eingeladen. Einziger Tagesordnungspunkt der Aktionärsversammlung: "Genehmigung der Übertragung der Geschäftsanteile" der übertragenden Gesellschaften an die Came Holding.

Mit den 34 Prozent dürfte der Appetit der neuen Mehrheitseigner des Glücksspielkonzerns aber noch nicht gestillt sein. Schon im Herbst haben sie angekündigt, die "alleinige Kontrolle" über die Casinos AG anzustreben, also mehr als 50 Prozent. Wie sie dieses Ziel erreichen wollen, ist noch nicht bekannt: Weder Novomatic noch die staatliche Öbib (bzw. die damalige Regierung) wollten sich zuletzt von Anteilen trennen.

Ertragssteigerungsprogramm

Sehr wohl trennen will sich die Casag von ihrer Auslandstochter, die von 2009 bis 2015 ausschließlich Verluste geschrieben hat. Ein Teaser wurde schon im Sommer an Interessenten versendet; sehr zum Leidwesen der Öbib, die den Verkauf nicht goutiert. Casag-Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner, Generalanwalt von Raiffeisen, betonte damals aber, dass der Vorstand in vollem Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat agiere. Novomatic-Chef Harald Neumann sprach sich in seiner Eigenschaft als Casag-Kontrollor für einen Verkauf aus.

Die Casag hat zwar 2016 das beste Ergebnis ihrer Geschichte geschrieben, verordnete sich aber unter ihrem seit Juni amtierenden neuen Vorstandschef, Alexander Labak, ein Ertragssteigerungsprogramm. Dieses soll bis 2019 umgesetzt werden. (Renate Graber, 27.12.2017)

  • Ab Mitte Jänner rollt die Kugel für die Tschechen. Die Behörden geben grünes Licht.
    foto: apa/afp/loic venance

    Ab Mitte Jänner rollt die Kugel für die Tschechen. Die Behörden geben grünes Licht.

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