Warum die Filmvorschau auf Netflix nun bei jedem anders aussieht

    30. Dezember 2017, 09:09
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    Der Streamingdienst personalisiert nicht nur, "was" er Kunden anzeigt – sondern auch, "wie" er das macht

    Allzu oft blickt man wohl nicht in fremde Netflix-Konten. Würde man das tun, könnte man feststellen, dass Filme und Serien bei Freunden und Verwandten ganz anders präsentiert werden als bei einem selbst. Das liegt daran, dass Netflix mittlerweile auf personalisierte Vorschaubilder setzt. Netflix-Mitarbeiter haben nun in einem Beitrag auf Medium erklärt, warum und wie sie individuelle Artworks für einzelne Inhalte produzieren.

    foto: netflix

    Ein Beispiel ist etwa Netflix' hauseigener Hit "Stranger Things". In ihrem Beitrag zeigen die Netflix-Mitarbeiter neun verschiedene Vorschaubilder für die Retro-Serie. Alle haben ein unterschiedliches Motiv, das bestimmte Personen zum Ansehen verführen soll. Die Bildsprache orientiert sich an Klassikern unterschiedlicher Genres: Einmal wirkt die Serie wie ein Horrorfilm, einmal wie ein Kinderabenteuer.

    foto: netflix

    Was mag der Kunde?

    Netflix orientiert sich dabei an den Inhalten, die Nutzer zuvor geschaut haben. Man denke etwa an "Good Will Hunting". Ist der Netflix-Kunde ein Fan romantischer Filme, wird dieser Aspekt des Streifens im Vorschaubild präsentiert. Mag er jedoch Komödien, könnte beispielsweise der Schauspieler Robin Williams erscheinen.

    Maßgeschneidert

    Der Streaming-Sender wählt also nach Kriterien wie bei der jeweiligen Person beliebten Genres oder Schauspielern aus. Dazu werden eine Vielzahl von potenziellen Vorschaubildern erstellt, die dann maßgeschneidert für eine bestimmte Zielgruppe angezeigt werden. Aber auch der Kontext ist entscheidend: Welcher Film, welche Serien sind links und rechts neben dem Inhalt zu sehen? Gibt es in einer Reihe an Netflix-Empfehlungen etwa nur Vorschaubilder mit Männerköpfen, hat der Algorithmus versagt.

    foto: netflix

    Die Netflix-Mitarbeiter beschreiben in ihrem Beitrag auch, wie schwierig es ist, die Effekte individualisierter Vorschaubilder zu prüfen. So stellt sich etwa die Frage, ob Inhalte, die bei der ersten Durchschau vom Nutzer nicht ausgewählt wurden, ein anderes Vorschaubild erhalten sollen. Das könnte eine "neue Chance" für den Film sein, jedoch auch den Wiedererkennungswert verringern.

    Tests

    Getestet wird etwa offline mit Fokusgruppen. Bei "Good Will Hunting" wurde so tatsächlich ein Effekt des Vorschaubildes nachgewiesen: Fans von Komödien bewerteten das Bild mit Robin Williams leicht höher als das Vorschaubild mit Matt Damon und Minnie Driver; bei Fans von romantischen Filmen schnitt Letzteres hingegen klar besser ab.

    Personalisierte Trailer?

    Die individuellen Vorschaubilder sollen jedoch erst der Anfang gewesen sein, kündigt Netflix an. Künftig könnten Algorithmen eigene "Inhaltsangaben, Metadaten oder Trailer" bereitstellen. Der Streamingdienst könnte auch mit Künstlern zusammenarbeiten, um die Filme selbst besser auf Zielgruppen zuzuschneiden. (fsc, 30.12.2017)

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