Paralympics-Siegerin Vervoort will ihr Leben beenden

    23. Dezember 2017, 16:40
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    38-jährige Belgierin leidet an einer Form von Querschnittslähmung, die mit starken Schmerzen einhergeht

    Brüssel – Die belgische Paralympics-Siegerin Marieke Vervoort will ihr Leben beenden. In einem Interview mit der englischen Tageszeitung The Telegraph sagte die 38-Jährige, die 2012 in London als Handbikerin Gold über 100 Meter und Silber über 200 Meter gewonnen hatte: "Ich habe so starke Schmerzen. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr leiden." Die erforderlichen Papiere, um die in ihrer Heimat Belgien erlaubte aktive Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, hat Vervoort bereits seit 2008.

    Bei den Paralympics 2016 in Rio gewann Marieke Vervoort im Rollstuhlrennen der Leichtathletinnen über 400 m noch einmal Silber, über 100 m wurde sie Dritte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie zu ihrer gesundheitlichen Verfassung erklärt, sie genieße "jeden kleinen Moment". In dem Jahr landete sie bei der Wahl zum Sportler des Jahres in Belgien auf Platz zwei hinter Fußballstar Kevin de Bruyne. 2015 war Vervoort bei einer Gala zu Ehren der Menschen des Jahres eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk verliehen worden.

    Ihr Zustand hat sich in der Zwischenzeit aber noch einmal deutlich verschlechtert. "Ich werde immer depressiver, diese Gefühle hatte ich vorher nie. Ich weine sehr oft", sagte Vervoort dem Blatt, "jetzt schwindet auch mein Sehvermögen immer mehr. Bei einem Auge liegt die Sehkraft nur noch bei 20 Prozent, beim anderen bei zehn Prozent. Mein Arzt sagt, er könne nichts machen."

    "Gebe nicht leichtfertig auf"

    Vervoorts Geschichte kennt in Belgien jeder. Dass die begeisterte Sportlerin im Alter von 14 Jahren gesundheitliche Probleme bekam, weil sie an einer unheilbaren degenerativen Muskelerkrankung leidet, die mit einer zunehmenden Lähmung der Gliedmaßen einhergeht. Ihren Berufswunsch Kindergärtnerin musste Vervoort aufgeben, sie arbeitete stattdessen als Keynote-Speakerin, hielt Motivationsreden.

    Seit dem Jahr 2000 ist Vervoort dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen, mitterweile ist sie vom Hals abwärts bewegungsunfähig. Ein komplexes Schmerzsyndrom sowie schwere epileptische Anfälle kamen hinzu. Sie kann kaum noch essen oder schlafen. "Ich gebe nicht leichtfertig auf, aber selbst schwerste Schmerzmittel helfen mir nicht mehr."

    Wie es sein soll

    Den Moment ihres Abschieds vom Leben hat sie genau geplant. "Ich schlafe langsam ein und wache einfach nicht mehr auf. Meine Eltern und Freunde werden am Bett stehen. Mein Testament ist fertig, die Abschiedsbriefe sind geschrieben", sagte Vervoort, die in der Brüsseler Universitätsklinik liegt. Sie hat auch feste Vorstellungen über ihre Beerdigung. Es soll keinen Gottesdienst geben und keinen Kuchen: "Ich möchte, dass alle mit einem Glas Champagner dastehen und an mich denken." (sid, red – 23.12. 2017)

    Hilfe bei Suizidgedanken:

    Information zum Thema Gewaltprävention und Opferschutz finden Sie hier, das Institut für Sozialdienste Vorarlberg bietet Gewaltberatung an.

    Unter suizid-praevention.gv.at findet man Notrufnummern und Erste Hilfe bei Suizidgedanken.

    Telefonische Hilfe im Krisenfall gibt es auch bei:

    • Telefonseelsorge 142, täglich von 0 bis 24 Uhr
    • Kriseninterventionszentrum 01/406 95 95 (Montag bis Freitag, 10–17 Uhr), auch persönliche und E-Mail-Beratung: kriseninterventionszentrum.at.
    • Sozialpsychiatrischer Notdienst (PSD), täglich 0 bis 24 Uhr, Tel.: 01/31330

    Angehörige finden Informationen und Materialien unter suizidpraevention.at und agus-selbsthilfe.de

    • Marieke Vervoort bei den Paralympics 2016 in Rio.
      foto: apa/afp/chiba

      Marieke Vervoort bei den Paralympics 2016 in Rio.

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