Mehrheit hält den Papst für zeitgemäßer als die Kirche

24. Dezember 2017, 09:00
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Nur jeder fünfzigste Wahlberechtigte ist sicher, dass die Kirche die richtigen Antworten für die Menschen unserer Zeit habe.

Linz – Der Heilige Vater genießt in Österreich hohes Ansehen – viel mehr kann die Kirche aber derzeit nicht bewirken. "Die PS von Papst Franziskus kommen in Österreich nicht auf der Straße an", fasst der Marktforscher David Pfarrhofer vom Linzer Market-Institut die Ergebnisse der heurigen Weihnachtsumfrage flapsig zusammen.

Von den 814 Befragten, die Anfang des Monats zu Fragen der Kirche und des Glaubens befragt wurden, sind sieben Prozent völlig überzeugt, dass der Papst die richtigen Antworten auf die Fragen unserer Zeit hat, weitere 46 Prozent sehen die päpstlichen Haltungen überwiegend als zeitgemäß an. Aber nur 14 Prozent geben an, dass sich diese Haltungen auch in der österreichischen Kirche bemerkbar machen.

Allerdings ist die Zustimmung in dieser Frage bei engagierten Katholiken doppelt so hoch.

Nur 14 Prozent in der Kirche engagiert

Es gibt aber nur noch 14 Prozent, die sich als in der Kirche engagierte Katholiken bezeichnen – der Wert lag 2011 (in der Amtszeit von Papst Benedikt XVI.) noch bei 21 Prozent. Auffallend ist, dass unter den bekennenden ÖVP-Wählern jeder vierte sagt, dass er auch in der Kirche engagiert wäre. Bei den Wählern der Freiheitlichen sind es dagegen nur sieben Prozent, bei denen der Sozialdemokraten immerhin elf Prozent.

ÖVP- und SPÖ-Wähler nehmen auch stärker als die Freiheitlichen den Einfluss des Papstes auf die heimische Kirche wahr. Aber nur die ÖVP-Anhänger meinen in nennenswerter Zahl, dass die Kirche die richtigen Antworten für die Menschen unserer Zeit habe.

In der Gesamtbevölkerung glauben nur zwei Prozent, dass die Kirche "bestimmt" die richtigen Antworten auf Fragen der Zeit hätte, weitere zwölf Prozent antworten mit "eher schon". Dem stehen 33 Prozent gegenüber, die meinen, die Kirche habe "gar nicht" die richtigen Antworten, und weitere 47 Prozent, die die Meinung der Kirche "eher weniger" für richtig halten. Das steht in deutlichem Gegensatz zur eingangs erwähnten und in der Grafik dargestellten Wertschätzung für die Meinungen des Papstes.

Anstehende Kirchenprobleme

Dazu kommt die Wahrnehmung, dass der Kirche nicht zugetraut wird, die Probleme in ihrem eigenen Bereich zu lösen. In derselben Umfrage ließ der Standard fragen: "Wem trauen Sie es zu, die Probleme und Herausforderungen in seinem Bereich zu lösen, wem nicht?" Dabei kam die Kirche auf den letzten Platz – mit 14 Prozent positiver und 86 Prozent negativer Einschätzung.

Zum Vergleich: 26 Prozent trauten in dieser Fragestellung der EU zu, ihre Probleme zu lösen, und sogar 30 Prozent dem Papst. Wiederum wird dem Papst mehr Kompetenz zugetraut als der Institution, deren Chef er ist. Das höchste Vertrauen in die Problemlösung wird übrigens der eigenen Familie (91 Prozent), dem eigenen Freundeskreis (70 Prozent) und der Polizei (59 Prozent) zugeschrieben.

Sinkende Bedeutung

der Standard ließ in diesem Zusammenhang auch fragen: "Hat das Weihnachtsfest am 24. Dezember in den letzten zehn bis zwanzig Jahren in Österreich an Bedeutung gewonnen, an Bedeutung verloren, oder besitzt es eher gleichbleibende Bedeutung?"

36 Prozent – ältere Befragte noch deutlicher als jüngere – sehen eine sinkende Bedeutung des Weihnachtsfestes. Für 55 Prozent hat sich da nichts geändert, und nur neun Prozent sagen, dass das Weihnachtsfest wichtiger geworden wäre – wiederum sind es ÖVP-Anhänger, die diesen Eindruck bekunden und junge Menschen, für die der familiäre Eindruck im Vordergrund steht.

Was Weihnachten ist

Überhaupt sieht Pfarrhofer einen Wandel dessen, was die Österreicherinnen und Österreicher unter dem Weihnachtsfest verstehen: "Die Menschen entfernen sich von der Kirche, und daher ist für sie Weihnachten auch nicht mehr primär ein Fest der Kirche, sondern eines der Familie, vor allem der engeren Familie."

Das kann er mit Daten belegen, die aus der Fragestellung stammen, was den Befragten an Weihnachten wichtig ist:

  • · 81 Prozent vergeben die Note eins für die Aussage, ein friedliches Fest mit der Familie sei ihnen das Wichtigste an Weihnachten.
  • · Auf dem zweiten Platz (jeweils 69 Prozent vergeben die Note eins) stehen die beiden Punkte, dass man wirklich Zeit füreinander hat und dass man gemütlich beieinandersitzen kann.
  • · 63 Prozent freuen sich daran, die engere Familie um sich zu haben, für 53 Prozent der Befragten sind es die Kinder oder Enkel.
  • · Nur für 16 Prozent ist der Besuch einer schönen Weihnachtsmette, eines Gottesdienstes sehr wichtig (Note eins), 25 Prozent geben diesem Punkt allerdings die Note fünf, weitere 13 Prozent die Note vier.
  • · Fünf Prozent schließen sich völlig der Meinung an, "Weihnachten ist für mich keine besondere Zeit". Sie stehen damit allerdings krass im Abseits, denn 49 Prozent lehnen diese Meinung völlig ab, weitere neun Prozent geben ihr die Note vier.

In einer anderen Fragestellung wurde erhoben, was die Österreicher von Weihnachten als religiösem Fest halten. Darauf sagten 90 Prozent, dass es sich für sie heute um ein Fest des Friedens und der Versöhnung handle. Ein bisschen religiöser Bezug ist noch vorhanden, wenn 80 Prozent den "Geburtstag Jesu Christi" sehen oder 41 Prozent angeben, dass Beten für sie wichtig ist. Nur 29 Prozent sehen gar keine religiöse Bedeutung.

Quelle: Market, Telefon- und Online-Interviews 1.-6. 12. 2017, n = 814;

(Conrad Seidl, 24.12.2017)

  • Artikelbild
    foto: afp/munir uz zaman
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