Regisseur Dornhelm: "Preise befriedigen meine Eitelkeit null"

26. Dezember 2017, 14:00
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Robert Dornhelm inszeniert "Maria Theresia" mit Maria-Luise Stockinger als locker-flockiger Monarchin

Wien – Maria Theresias Leben war kein Bemmerl: "16 Kinder auf die Welt bringen, Kriege führen, Reformen auf den Weg bringen, sich mit dem eigenen Sohn* streiten und an der Macht bleiben." Wenn Robert Dornhelm, der eine Jubilar (70), über die andere Jubilarin (300) spricht, schwingt vor allem eines mit: Respekt.

Denn fad war der Regentin während ihres 63-jährigen Lebens (1717-1780) wohl nicht. Das imponiert auch dem umtriebigen Dornhelm. Der österreichische Regisseur von Weltrang hat Maria Theresias Wirken nach dem Drehbuch der Tschechin Mirka Zlatníková in einen opulenten Zweiteiler gegossen – zu sehen am 27. und 28. Dezember um 20.15 Uhr in ORF 2.

Während es in Teil eins eher amüsant zugeht und der lockere Ton überrascht, ist Teil zwei deutlich schärfer: "Es fängt ziemlich hart an, und man sieht, was es bedeutet, Kriege zu führen", sagt Dornhelm zum STANDARD.

Schattenseiten bleiben im Schatten

"Maria Theresia" ist ein Novum: Um das Projekt zu stemmen, haben sich die öffentlich-rechtlichen Sender Tschechiens, der Slowakei, Ungarns und Österreichs zusammengetan. Gedreht wurde in allen Ländern in Originalsprache: "Es war die ganze Zeit ein Sprachengewirr." Eine große Herausforderung und ein eigener Charme zugleich, erzählt Dornhelm: "Bis zur Synchronisation wusste ich nicht, ob es funktioniert hat." Seiner Meinung nach hat es das, auch wenn er selbst sein "ärgster Kritiker" sei. In Prag war bereits Premiere, die Leute hätten im Kino gelacht und gegrölt: "Das hat mich irre gefreut."

"Maria Theresia" sei keine intellektuelle, historische Betrachtung einer Ära der Habsburgerzeit, sondern als "witzige, intelligente Unterhaltungsgeschichte" konzipiert. Die Schattenseiten der Figur (Marie-Luise Stockinger als Maria Theresia) bleiben im Schatten, so Dornhelm, ans Licht kommt gute Unterhaltung für die Masse. Potenzial für ein Millionenpublikum also, adressiert durch die länderübergreifende Produktion.

Spezialist für Historisches

Historischen Stoff hat Dornhelm schon oft verfilmt – etwa "Kronprinz Rudolf" oder "Das Sacher". Angefangen hat es mit dem Zweiteiler "Anne Frank", für den er 2001 mit einem Emmy ausgezeichnet wurde. "Dann habe ich nur historische Angebote bekommen." Aus den Angeboten sind Filme wie "Spartacus", "Die Zehn Gebote" mit 40.000 Statisten oder "Krieg und Frieden" entstanden. "Plötzlich galt ich in Hollywood als Spezialist für Massenszenen."

Dazwischen jonglierte er mit verschiedenen Genres – etwa der Oper ("La Bohème"), Dokumentarfilmen (über Udo Proksch und Amanda Knox) oder dem Krimi. Einen "Tatort" wie 2015 "Gier" würde er heute nicht mehr machen: "Krimis kann ich selbst nicht viel abgewinnen, sie langweilen mich." Er selbst schaut sehr selten fern, nur: "Wenn ich in Europa bin, läuft fast die ganze Zeit Krimi."

"Wer zuerst seine Brieftasche öffnet ..."

Was ihn auch nicht interessiert, sind Serien. Außer vielleicht "Breaking Bad", da hätte er als Regisseur wohl zugesagt, aber sonst: kein Interesse. Was Dornhelm schätzt, sind künstlerische Freiheiten und Überraschungen: "Ich war in meinem Leben nie angestellt und habe nie gewusst, was ich im nächsten Jahr mache."

So werde es auch 2018 sein, wenn er wieder zwischen seinem Wohnsitz in Los Angeles und Wien pendelt: "Wer zuerst seine Brieftasche öffnet und mich engagiert, mit dem gehe ich tanzen."

Preisverleihungen? "Erstickungszustände"

Tanzen wird er wohl wieder auf vielen Kirtagen, alleine in den USA gebe es Gespräche für zwei, drei Projekte. Dass ihn eines davon als Preisträger auf eine Bühne dieser Welt führt, will sich Dornhelm nicht vorstellen, denn: "Erstickunsgzustände drohen", sagt der Regisseur und erzählt von der Oscarnominierung aus dem Jahr 1977 für den Dokumentarfilm "The Children of Theatre Street". Die Vorstellung, diesen Preis abzuholen, sei unerträglich gewesen: "Mein Herzklopfen war so stark, dass ich auf die Toilette gehen und mich entschuldigen wollte." Und ganz generell: "Preise befriedigen meine Eitelkeit null."

Nicht befriedigend ist für Dornhelm die neue schwarz-blaue Regierung, die just am Montag, seinem 70. Geburtstag, angelobt wurde: "Das mich das nicht freut, ist klar." Der politische Mensch Dornhelm – er emigrierte als 13-Jähriger mit seiner Familie von Rumänien nach Österreich – wurde bereits selbst zum Spielball der Politik. Walter Rosenkranz von der FPÖ fragte 2015 via Parlamentarischer Anfrage, warum das Kanzleramt Dornhelms Heimat-Doku "Oh Du mein Österreich" zu 60 Jahren Staatsvertrag subventionierte. Das sei ein "Propagandawerk gegen die FPÖ". Rosenkranz ist jetzt FPÖ-Klubobmann. (Oliver Mark, 26.12.2017)

* Korrektur: In einer früheren Version stand hier Bruder statt Sohn, was ein Fehler meinerseits (und nicht des Regisseurs) beim Transkribieren war. Wir bitten um Entschuldigung.

  • Regisseur Robert Dornhelm: "Wer zuerst seine Brieftasche öffnet und mich engagiert, mit dem gehe ich tanzen."
    foto: standard / robert newald

    Regisseur Robert Dornhelm: "Wer zuerst seine Brieftasche öffnet und mich engagiert, mit dem gehe ich tanzen."

  • "Maria Theresia" ist ein Novum: Um das Projekt zu stemmen, haben sich die öffentlich-rechtlichen Sender Tschechiens, der Slowakei, Ungarns und Österreichs zusammengetan.
    foto: orf / julie vrabelová

    "Maria Theresia" ist ein Novum: Um das Projekt zu stemmen, haben sich die öffentlich-rechtlichen Sender Tschechiens, der Slowakei, Ungarns und Österreichs zusammengetan.

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