Koalition: Kritik von Bildungsforschern

    22. Dezember 2017, 11:32
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    Wegen Festhaltens am differenzierten Schulsystem und der Sonderschule

    Wien – Kritik am Bildungsteil des Regierungsprogramms übt die Österreichische Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen (Öfeb) in einer Aussendung. Die Bildungsforscher stört vor allem das Festhalten am laut Programm "bewährten differenzierten Schulsystem" sowie die Erhaltung beziehungsweise die Stärkung des Sonderschulwesens.

    Es gebe "keine gesicherten wissenschaftlichen Befunde dafür, dass sich das differenzierte österreichische Schulsystem, das die Kinder in der Sekundarstufe I auf AHS-Unterstufe, Neue Mittelschule und Sonderschule aufteilt, 'bewährt' hat", betont die Öfeb. Im Gegenteil: "Die Ergebnisse der internationalen Bildungsforschung haben gezeigt, dass mehrgliedrige Schulsysteme – wie es sie in Deutschland und Österreich gibt – wenig effektiv und sozial ungerechter sind."

    Innere statt äußere Differenzierung

    Jedes Jahr, um das früher differenziert werde, koste Punkte auf der internationalen Leistungsskala. "Und je länger Kinder und Jugendliche eine gemeinsame Schule besuchen, desto weniger ist ihr Bildungserfolg von der Herkunftsfamilie abhängig." Deshalb würden Länder mit leistungsstarken Schulsystemen mehr auf innere anstatt auf äußere Differenzierung setzen, so Öfeb-Vorsitzender Florian Müller.

    Bedenken hat die Öfeb auch bei den Plänen zur Stärkung der Sonderschule. Österreich habe im internationalen Gleichklang in den vergangenen Jahrzehnten begonnen, ein inklusives Schulsystem aufzubauen. "Dass diese Entscheidung richtig ist, wird unter anderem von nationalen und internationalen Forschungsergebnissen bestätigt, welche insgesamt einen Vorteil für alle Schüler und Schülerinnen ausweisen". Eine Abkehr von der Inklusion würde außerdem gegen die UN-Behindertenrechtskonvention verstoßen.

    Lehrerausbildung

    Dem Ausbau der Inklusion entspreche auch die neue Lehrerausbildung, die keinen eigenen Ausbildungsweg zum Sonderschulpädagogen mehr vorsieht. Stattdessen müssen alle angehenden Lehrer inklusionspädagogische Module absolvieren (optionale Schwerpunkte sind weiter möglich). "Da sich die Mehrheit der Eltern dafür entschieden hat, ihre förderbedürftigen Kinder 'integriert' unterrichten zu lassen, wurden Sonderschulen großflächig geschlossen, und es erscheint daher als wenig sinnvoll, Lehrkräfte für eine Schulform auszubilden, die den Elternwünschen kaum mehr entspricht", so die Öfeb. (APA, 22.12.2017)

    • Bildungsforscher setzen dem Regierungsprogramm beim Thema Schule den Rotstift an.
      foto: apa / georg hochmuth

      Bildungsforscher setzen dem Regierungsprogramm beim Thema Schule den Rotstift an.

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