"Ein Job für Delpha" von Lisa Sandlin: Überleben in Texas

26. Dezember 2017, 19:18
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Nüchtern, unsentimental und von bissigem Humor ist der Krimi der US-amerikanischen Autorin, der zuvorderst eine Art Entwicklungsroman ist

Delpha darf sich keine Fehler erlauben. Sonst landet sie wieder im Knast, wo sie die letzten 14 Jahre verbracht hat. Job und Unterkunft muss sie als Erstes finden. Ihr Bewährungshelfer empfiehlt sie einem Freund. Der hat nach einem Unfall auf Detektiv umgesattelt und ist noch amateurhaft unterwegs. Delpha erweist sich als scharfsinnige Mitarbeiterin. Die Aufträge tröpfeln so herein und schauen zunächst nach Bagatellen aus, entwickeln jedoch eine unerwartete Brisanz.

Auch wenn die Krimihandlung an sich recht gut konstruiert ist, handelt es sich doch zuvorderst um eine Art Entwicklungsroman. Es geht darum, wie eine junge Frau, die wegen Mordes im Gefängnis gewesen ist – sie hatte ihren Vergewaltiger umgebracht -, in einer ihr fremd gewordenen Welt wieder Fuß fasst. Sich selbst neu zu erfinden ist nicht einfach und im Texas der Siebzigerjahre schon gar nicht. Lisa Sandlin beschreibt das nüchtern, mit bissigem Humor und unsentimental. Ein ungewöhnliches Romandebüt und eine Figur, der man gerne wiederbegegnen würde. (Ingeborg Sperl, Album, 23.12.2017)

Lisa Sandlin, "Ein Job für Delpha". Deutsch: Andrea Stumpf. € 10,30 / 351 Seiten. Suhrkamp, Berlin 2017

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