Klimamodell der Welt von "Game of Thrones" erstellt

22. Dezember 2017, 11:00
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Britische Forscher veröffentlichen unter dem Namen von Samwell Tarly ein vergnügliches Paper – Widersprüche bleiben aber erwartungsgemäß erhalten

foto: ap/hbo
Globale Erwärmung auf Drachenart ...

Bristol – Und nun die Temperaturvorhersage für Westeros: Ja, der Winter kommt – womöglich sogar, um dauerhaft zu bleiben. Warum er das tut, bleibt jedoch ein Rätsel, das von "Game of Thrones"-Fans bis hin zu Wissenschaftern schon viele Menschen beschäftigt hat. Ein neuer Lösungsversuch kommt nun von Forschern der Universitäten Bristol, Cardiff und Southampton, die ein Klimamodell für die Welt von Westeros erstellt haben.

In dem Paper, das die Forscher im fiktiven Fachmagazin "Philosophical Transactions of the Royal Society of King’s Landing" unter dem Namen von Samwell Tarly veröffentlicht bzw. als pdf-Dokument bereitgestellt haben, gilt eine schwankende Planetenachse als zentraler Faktor. Sie bewirke, dass die Welt von Westeros ihrem Stern stets dieselbe Hemisphäre zuwendet. In diesem Szenario ist die Achse sehr wohl geneigt – erst vor zwei Jahren hatte der Klimatologe Alex Farnsworth, ebenfalls von der Universität Bristol, hingegen erklärt, dass die Achse keine Neigung aufweisen könne.

grafik: dan lunt, university of bristol

Das Rätsel ist also vermutlich immer noch nicht zweifelsfrei geklärt. Der Grund dafür dürfte wohl ganz banal daran liegen, dass George R. R. Martin seine Welt nicht vorab durchgeplant hat – in Kontrast etwa zu Brian Aldiss' "Helliconia"-Reihe, in der ein Planet extremen Jahreszeiten unterworfen ist, weil er einem Doppelsternsystem angehört. "Helliconia" wurde schon als Vorbild für Martins Westeros genannt, doch in Sachen Berechenbarkeit unterscheiden sich die beiden fiktiven Welten wie Tag und Nacht.

Die Studie von "Samwell Tarly" lässt sich daher eher als vergnügliche Kurzgeschichte im Sachtextstil lesen. Zu den darin gestreiften Themen gehören unter anderem: Wie das Klima die wirtschaftlichen und machtpolitischen Verhältnisse in Westeros mitprägt, wo die Weißen Wanderer "Sommerschlaf" halten könnten, wenn es ihnen zu warm wird – und wie sich das Weltklima verändern dürfte, wenn die Drachenaktivität in Form von CO2- und Methanemissionen sowie "exzessivem Feuergebrauch" zunimmt.

--> Philosophical Transactions of the Royal Society of King’s Landing: "The Climate of the world of Game of Thrones"

(jdo, 22. 12. 2017)

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