Ärzte warnen: Durch Impfen vermeidbare Krankheiten steigen an

    21. Dezember 2017, 13:35
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    Tiroler Ärzte sprechen von einer Zunahme der Erkrankungen an Masern, Keuchhusten und Gehirnhautentzündung – vor allem Kinder sind betroffen

    Innsbruck – In Tirol haben sich die Fälle von Masern, Keuchhusten und Hirnhautentzündung bei Kindern in den vergangenen Jahren gehäuft. Sämtliche dieser Erkrankungen, so waren sich die Experten der Medizinischen Universität Innsbruck, der Tirol Kliniken und der Landessanitätsdirektion bei einem Pressegespräch am Donnerstag in Innsbruck einig, hätten durch Impfungen vermieden werden können.

    Einen besonders drastischen Fall skizzierte der geschäftsführende Oberarzt der Innsbrucker Kinderklinik, Jürgen Brunner: "Vor kurzem bekamen wir einen kleinen Buben mit Verdacht auf Meningitis, der neurologisch auffällig war". Der Verdacht auf Gehirnhautentzündung habe sich bestätigt, die Eltern hätten sich im Vorfeld ganz bewusst gegen eine Impfung entschieden. "Hier ist nicht einmal eine spezielle zusätzliche Impfung erforderlich, die Standard 6-fach Impfung enthält auch die Immunisierung gegen dieses Bakterium", betonte Anita Luckner-Hornischer von der Landessanitätsdirektion des Amts der Tiroler Landesregierung.

    Einen Anstieg der Anzahl der absoluten Impfgegner wollte Brunner aber nicht sehen. "Etwa fünf bis zehn Prozent der Österreicher lassen ihre Kinder nicht oder nur teilimpfen", meinte er. Nur ein geringer Anteil davon sei aber den "militanten Impfgegnern" zuzurechnen.

    Ruf nach Impfpflicht bleibt aus

    Eine der am meisten unterschätzten Kinderkrankheiten sind Masern, so die Experten. Auch hier sind die Erkrankungsfälle gestiegen: "2016 waren es österreichweit 26, derzeit stehen wir bei 95 Fällen. Zehn davon in Tirol", berichtete Luckner-Hornischer. In Europa kam es in vielen Ländern zu einer Vervierfachung der Masernfälle. 32 Menschen, hauptsächlich Kinder, sind daran verstorben.

    "Im Jahr 2017 gab es 155 Meldungen von Keuchhusten, fünf Betroffene waren Säuglinge", sagte Luckner-Hornischer. "Der Keuchhusten kommt zurück, das belegen die Zahlen. Das Tragische ist, dass der Keuchhusten zwar harmlos klingt, aber für Kleinkinder tödlich sein kann. Allein im Jahr 2014 sind in der EU 14 Säuglinge daran verstorben", ergänzte Peter Kreidl von der Sektion für Hygiene, Medizinische Mikrobiologie und Public Health der Medizinischen Universität Innsbruck.

    Sowohl Brunner als auch Kreidl sprachen sich in diesem Zusammenhang explizit gegen eine Impfpflicht aus. "Wir sind mündige Bürger, aber es braucht Aufklärung", so Kreidl. "Eltern sind zum Teil auch schlicht überfordert", sagte Brunner. Man müsse auf die Eltern zugehen und Ängste mittels Informationen ausräumen. "Eltern glauben dem Kinderarzt nach wie vor am meisten", so Kreidl abschließend. (red, APA, 21.12.2017)

    • "Etwa fünf bis zehn Prozent der Österreicher lassen ihre Kinder nicht oder nur teilimpfen", sagte Jürgen Brunner, Oberarzt der Innsbrucker Kinderklinik.
      foto: apa/dpa/lukas schulze

      "Etwa fünf bis zehn Prozent der Österreicher lassen ihre Kinder nicht oder nur teilimpfen", sagte Jürgen Brunner, Oberarzt der Innsbrucker Kinderklinik.

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