Verhandlungen über Rückholung österreichischer Archive aus Moskau

21. Dezember 2017, 11:38
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Ex-Bundespräsident Fischer sprach mit dem russischen Außenminister in Wien, Ex-IKG-Präsident Muzicant verhandelte in Moskau

Wien – Der ehemalige österreichische Bundespräsident Heinz Fischer setzt sich dafür ein, dass österreichische Archivmaterialien, die in einem Moskauer Sonderarchiv lagern, wieder zurückkommen. "Die Frage der Rückgabe österreichischer Archivmaterialien wurde beim Gespräch mit Außenminister Lawrow angesprochen", sagte Fischer zum "Kurier".

Fischer hatte den russischen Außenminister anlässlich des OSZE-Gipfels vor zwei Wochen in Wien getroffen. Konkret gehe es um Archive der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) und der Freimaurer, die von den Nazis nach Berlin verschleppt und nach Kriegsende von der Roten Armee nach Moskau gebracht worden waren.

Entscheidung liegt bei Putin

"Jahrzehntelang nach Kriegsende galten diese Archivarien als verloren", bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts einige Staaten ihre Materialien zurückbekommen hätten, sagte der Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs, Wolfgang Maderthaner. Österreich bekam staatliches Archivmaterial, etwa der "Vaterländischen Front" von Russland zurück. Doch noch immer seien neben dem Archiv der IKG und der Freimaurer, auch jenes der Pan-Europa-Bewegung, Adelsdokumente und ziemlich sicher auch Teile des SPÖ-Parteiarchivs in Moskau.

Der Vizepräsident des European Jewish Congress und ehemalige IKG-Präsident Ariel Muzicant verhandelte über die Rückgabe der IKG-Unterlagen in Moskau. Nun komme es nur mehr auf eine Entscheidung von Russlands Präsident Wladimir Putin an, sagte Muzicant zum "Kurier". Die EU-Sanktionen würden die Situation nicht leicht machen. "Wir hoffen aber, dass Putin anerkennt, dass der jüdischen Bevölkerung ihre historischen Unterlagen von den Nazis geraubt worden waren", so Muzicant. (APA, 21.12.2017)

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