18-jähriger Pakistaner wegen Beteiligung an terroristischer Vereinigung verurteilt

20. Dezember 2017, 16:53
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Der Asylwerber will zur Teilnahme an einem Taliban-Camp "gezwungen" worden sein

Salzburg – Ein 18-Jähriger ist von einem Schöffensenat am Landesgericht Salzburg wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung zu zwölf Monaten Haft, drei davon unbedingt, verurteilt worden. Das Gericht ging davon aus, dass der Pakistaner 2014 freiwillig an einem Trainingscamp des Terrornetzwerks Tehrik-i-Taliban (TTP) teilgenommen hat. Dort wurde der Gebrauch von Schusswaffen und "Bombenwesten" geübt.

Weder der Staatsanwalt noch die Verteidigerin gaben eine Erklärung ab, das Urteil ist somit nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hat den unbedingten Strafanteil von drei Monaten bereits in der Untersuchungshaft abgesessen, er war im September verhaftet worden.

Basis im Norden Pakistans

Laut Anklage wird Tehrik-i-Taliban von der Uno als terroristische Organisation eingestuft. Die Bewegung der pakistanischen Taliban hat ihre Basis im Norden Pakistans an der Grenze zu Afghanistan, sie setze sich auch für einen weltweiten Jihad ein, sagte der Staatsanwalt.

Der beschuldigte Pakistaner habe vor der österreichischen Fremdenbehörde im Asylverfahren selbst angegeben, dass er, als er als 15 Jahre alt und Koranschüler in seinem Heimatdorf gewesen sei, freiwillig das Trainingscamp besucht habe. Erst in einer späteren Aussage habe er erklärt, dazu gezwungen worden zu sein, erläuterte der Staatsanwalt.

Die Angaben, wonach er freiwillig an dem Training mitgemacht habe, beruhten wohl auf Übersetzungsfehlern des Dolmetschers, meinte der Pakistaner. Er sei zur Teilnahme genötigt worden. Eines Morgens seien Männer in die Moschee gekommen, hätten ihn und drei weitere Burschen gefesselt und in ein Auto gesetzt. Er habe nicht gewusst, dass der Koranlehrer, der auch der Imam in der Moschee gewesen sei, mit diesen Personen kooperierte, die ihn verschleppt hätten.

15 Tage an Baum gefesselt

"Sie hatten Waffen in der Hand und wollten, dass ich mit ihnen zusammenarbeite. Doch ich wollte das nicht, weil ich der einzige Sohn meiner Eltern bin. Ich hatte große Angst", schilderte der zierliche Angeklagte. Er habe versucht zu flüchten, sei aber erwischt und 15 Tage lang an einen Baum gefesselt worden. "Ich habe so gut wie nichts zu essen bekommen." Die folgenden rund zehn Tage habe er meistens Geschirr abgewaschen. "Ich habe sehr viel geweint, ich war sehr jung." Auch beim Prozess kamen ihm die Tränen.

Schließlich habe er das Camp nahe der Stadt Lahore verlassen und zu seinen Eltern nach Hause dürfen. Allerdings hätten ihn die Männer zurückholen wollen. Er habe zunächst Zuflucht bei einem Onkel im Nachbardorf gefunden und sich dann in Islamabad, Lahore und Karatschi aufgehalten. Als er gemerkt habe, dass die Taliban ihn suchen, sei er nach Europa geflohen. Die 6.000 Dollar für den Schlepper und umgerechnet 300 Euro Taschengeld hätten seine Eltern zur Verfügung gestellt.

Im Jahr 2016 kam er nach Österreich, wo er um Asyl ansuchte. Mittlerweile hat er einen negativen Bescheid in Händen, "dagegen habe ich berufen". Vor seiner Verhaftung habe er Zeitungen verkauft, "auch hier im Gericht", sagte der Beschuldigte. "Das Beweisverfahren wird zeigen, dass der Angeklagte freizusprechen ist", erklärte seine Verteidigerin. (APA, 20.12.2017)

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