Weniger Billigflugtickets: Reisende satteln auf Bahn um

19. Dezember 2017, 17:44
22 Postings

Vor allem bei Städte- und Geschäftsreisen

Wien – Die Zeit der Billigst-Tickets für Flüge dürfte zumindest vorübergehend vorbei sein. Besonders dort, wo die Lufthansa den Markt dominiert, wird es teurer werden, sagte ÖRV-Präsident Josef Peterleithner am Dienstag. Daher werde bei Städte- und Geschäftsreisen zunehmend auf die Bahn umgestiegen. Der Österreichische Reiseverband (ÖRV) beobachtet in diesem Bereich zweistellige Wachstumsraten.

Auch im kommenden Jahr werde die Anreise mit der Bahn stärker nachgefragt, so Peterleithner. Mit WLAN, Nachtreiseangeboten und guten Verbindungen hätten sich die Unternehmen zunehmend attraktiver gemacht. "Die Nachfrage bei Städtereisen mit Fluganreise wird sehr stark von der Entwicklung der Flugpreise abhängen."

Knapperes Angebot

Für die heimische Air-Berlin-Tochter Niki sieht Peterleithner indes schwarz: Weil sich die Reiseveranstalter schon während des Jahres nach Alternativen umgesehen hätten, stehe Niki nun quasi "ohne Charter-Verträge für 2018" da. Momentan haben die Touristiker wegen der Niki-Pleite noch alle Hände voll zu tun, Gäste umzubuchen und passende Flüge zu finden. Bei allen werde dies aber nicht gelingen. In diesem Zusammenhang forderte der ÖRV-Präsident erneut eine Insolvenzabsicherung von Airlines.

Der Wegfall von Air Berlin und Niki werde sich auch in der kommenden Sommersaison bemerkbar machen. Neben höheren Flugpreisen müsse man auch mit einem knapperen Angebot auf bestimmten Strecken rechnen. So könnte es zum Beispiel bei Griechenland-Reisen gegen Ende des Sommers zu Engpässen bei den Flugkapazitäten kommen.

Mit dem Buchungsstand für 2018 sind die Touristiker bisher zufrieden. "Die Buchungssaison für den Sommer 2018 ist sehr erfolgreich gestartet", so Peterleithner, räumte aber ein, dass sich die Euphorie in den letzten Wochen unter anderem wegen Naturkatastrophen etwas eingebremst habe.

Zuwächse zum Teil "weit über 100 Prozent"

Auf der Mittelstrecke seien Griechenland und Spanien auch im kommenden Sommer hoch im Kurs. Die Türkei, Ägypten und Tunesien liegen wieder in der Gunst der Österreicher, "mit Zuwächsen zum Teil weit über 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr", so der ÖRV. Die Nachfrage nach Kreuzfahrten sei ungebrochen hoch, auch immer mehr Familien kämen an Bord. Wer mit dem Auto verreist, tourt meist durch Österreich oder nach Italien und Kroatien.

Insgesamt würden die Österreicher ihren Urlaub vermehrt in Reisebüros buchen, auch wegen der Sicherheit. "Das hat sich in diesem Jahr nicht nur bei den Terroranschlägen, sondern auch bei den vielen Naturkatastrophen und nicht zuletzt bei der Insolvenz von Air Berlin gezeigt", so Peterleithner. (APA, 19.12.2017)

Share if you care.