Meeresmikroben: Mehr Wege zur Nahrungsaufnahme mit zunehmender Tiefe

27. Dezember 2017, 12:47
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Wiener Forscher analysierten Nahrungs-Transportproteine von Mikroben von der atlantischen Meeresoberfläche bis zur Tiefsee

Wien – An der Oberfläche des Meeres produzieren Algen Nährstoffe, die tief darunter von anderen Mikroorganismen aufgenommen werden. Diese fressen nichts anderes als ihre Kollegen in höheren Schichten, haben aber mehr Wege, die Nahrung aufzunehmen, wie nun ein internationales Forscherteam mit Wiener Beteiligung herausgefunden hat. Hauptsächlich laben sich die Mikroben wohl an fester Kost, erklären die Wissenschafter im Fachmagazin "Pnas".

Die Forscher um Kristin Bergauer und Gerhard Herndl vom Department für Limnologie und Bio-Ozeanographie der Universität Wien untersuchten die Eiweißzusammenstellung von Mikroben in den verschiedenen Meeresschichten des Atlantiks von der Oberfläche bis zur Tiefsee. Dabei ging es ihnen vor allem um Transportproteine für Nahrungsstoffe. Diese gaben Hinweise darauf, dass sich die Mikroben in der Tiefsee eher von festen Nahrungsmitteln ernähren, und nicht so sehr von gelösten Stoffen, wie zuvor von vielen Wissenschaftern angenommen wurde.

Oben wie unten die gleiche Kost

Damit sind die Aufnahmewege in der gesamten Wassersäule durchgehend sehr ähnlich, berichten die Forscher in dem Fachartikel. Daraus schließen sie, dass oben wie unten wohl die selben Stoffe verzehrt werden.

Allerdings nehme der Anteil der Transportproteine bei den Mikroben mit der Tiefe zu. Hundert Meter unter der Meeresoberfläche sind im Schnitt 23 Prozent aller bakteriellen Eiweißstoffe Nahrungsaufnahmeproteine, in der Tiefsee sogar 39 Prozent.

"Dies weist auf die zentrale Rolle der 'Heterotrophie' (Ernährung von Stoffen, die von anderen Lebewesen produziert werden) in den dunklen Tiefen des Meeres hin", erklären die Wissenschafter. Diese Stoffe werden an der Oberfläche von einzelligen Algen mithilfe der Sonnenenergie (durch Photosynthese) erzeugt. Sie sind die Basis des ozeanischen Nahrungsnetzes. (APA, red, 27.12.2017)

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