Tirol: Aussichtsreiche Skitour bei Kitzbühel

4. Jänner 2018, 13:34
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Sehen statt gesehen werden am Schützkogel

Kitzbühel, das bedeutet Hahnenkamm und Streif, Pelzmäntel und Fellmoonboots, Silikon und Botox. Sehen und gesehen werden. Es existiert aber auch ein bodenständigeres Kitzbühel, etwa auf den sanften Grasbergen rundum. Ihr skifreundliches Relief, auch abseits präparierter Pisten, macht sie seit jeher zum beliebten Skitourenrevier – der Tourenboom der letzten Jahre tat ein Übriges. So kommt es, dass heute manche Skitouren-Modeziele den Kitzbüheler Flaniermeilen kaum nachstehen, was die Besucherdichte betrifft. Anders am Schützkogel (2.067 m), nur wenige Kilometer südlich von Kitzbühel.

Auf der mittelschweren, recht langen Skitour (rund 1.200 Höhenmeter) zum Gipfel trifft man im Normalfall nur wenige Gleichgesinnte, selbst an schönen Wochenenden. Ein einleuchtender Grund dafür ist nicht zu eruieren. Ob es am winzigen Schönheitsfehler dieser Tour liegt? Gleich am Start, direkt im Ortszentrum von Jochberg, müssen die Ski fünf bis zehn Minuten bergab getragen werden – und bei der Rückkehr entsprechend wieder bergauf.

Schöne, teilweise steile Wiesen

Diesen "Makel" macht der größte Vorzug des Schützkogel spielend wett: Von Beginn an reihen sich schöne, teilweise recht steile Wiesen aneinander. Waldstücke dagegen sind Mangelware. Dieser Umstand verspricht nicht nur viel Platz für eigene Abfahrtsschwünge, sondern beschert auch von Anfang an schöne Ausblicke: Unten beeindruckt vor allem der Wilde Kaiser, weiter oben rücken dann die Hohen Tauern immer mehr ins Blickfeld, am Gipfel schließlich noch Loferer und Leoganger Steinberge. Sehen statt gesehen werden – das ist hier die Devise.

Noch einen Trumpf kann der Schützkogel ausspielen: Man ist fast nur schattseitig unterwegs, auf West- und Nordwesthängen. Dadurch findet sich hier oft noch Pulverschnee, wenn auf anderen Bergen in der Region schon übler Bruchharsch regiert. (Uwe Grinzinger, 4.1.2018)

Weitere Outdoor-Tipps:

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karte: der standard

Von Jochberg…

Wir starten in Jochberg, am Parkplatz 2 der Wagstätt-Lifte. Vom Südende des Parkplatzes (kleine Brücke, gelber Wegweiser "Wildalm") müssen die Skier auf einem Steig ca. 30 Höhenmeter hinuntergetragen werden, bis wir zu einer Asphaltstraße gelangen. Auf ihr nach links, über die Brücke und durch den Ortsteil Pschitt. Bei den letzten Häusern schnallen wir die Ski an und steigen geradeaus (östlich) über eine Böschung auf eine Wiese. Über sie kurz nach Nordosten, ehe wir den Bach zur Linken überqueren (kleine Brücke), hin zu einem großen Heustadel. Von ihm nordöstlich über die flachen Wiesen, bis wir eine Straße erreichen. In den dort abzweigenden Künstlweg ca. 20 m hinein, unmittelbar nach einer Brücke aber rechts die Wiese hinauf, zu einer kleinen Hütte am Waldrand. Hinter ihr links auf einen schmalen Steig. Auf ihm, zuerst entlang des Waldrandes, dann steiler durch den Wald hinauf zu einer Forststraße (ca. 1.015 m). Hier mündet auch der alternative Zustieg (Abzweigung Talalmen) ein (siehe Infoblock).

…über die Waldhausalm…

Auf der Forststraße bergauf, durch eine Linkskehre und gut 100 m danach rechts (Wegweiser "Hanslern"). Auf einem Karrenweg zu einer Wiese und über sie nach Südosten hinauf (vorbei an zwei Heustadeln), bis zu einer schmalen Straße. Auf ihr gehen wir nach links und erreichen in Kürze eine breitere Straße, genau in einer Kehre (ca. 1.170 m). Auf ihr in mehreren Kehren bis zur nächsten großen Almwiese hinauf (ca. 1.240 m, Wegweiser "Hanslern"). Über die Wiese hinauf (zuerst südöstlich, später östlich, die Künstleralm bleibt nördlich), bis wir kurz nach einem Holzhaus wieder eine Forststraße erreichen (ca. 1.410 m, Wegtafeln). Ihr folgen wir kurz nach rechts, steigen nach einem Bach dann aber links (östlich) die steilen Wiesenhänge hinauf (die Waldhausalm bleibt südlich).

…auf den Schützkogel…

Wir passieren ein neues Blockhaus und erreichen über einen weiteren steilen Wiesenhang und einen schmalen Wald-Durchschlupf die nächste Wiese. Auf ihr queren wir weniger steil nach Südosten, oberhalb der Schützalm vorbei und halten uns dann links auf den Nordwestrücken. Über ihn (oft abgeblasen, Ausweichen in die Westflanke tw. möglich) hinauf zum Gipfelkreuz.

…und wieder hinunter

Die Abfahrt erfolgt entlang der Aufstiegsroute, etliche Variationen sind möglich. Wer unten (auf ca. 1.015 m) nicht den engen Steig hinunter zum Künstlweg abfahren will, bleibt nach der Abzweigung des Steiges noch ca. 100 m auf der Forststraße. Dann links über eine Wiese (unten recht steil) direkt hinunter zur Pension Künstler, von dort auf der Straße linkshaltend zurück zur Aufstiegsroute.

Ausgangspunkt: Jochberg, Parkplatz 2 der Wagstätt-Lifte (ca. 920 m).

Anreise: Mit dem PKW: Von Kitzbühel oder Mittersill (über den Pass Thurn) nach Jochberg. Dort zum Parkplatz 2, ca. 250 m südlich der Kirche, unterhalb der B161.

Mit Öffis: Von den Bahnhöfen Kitzbühel oder Mittersill mit Bus Nr. 4010 bis Jochberg-Wagstättbahn (www.postbus.at).

Alternativer Ausgangspunkt: Abzweigung Talalmen, im Ortsteil Taxen (Schranken, Wegweiser). Von Kitzbühel kommend ca. 30 m nach dem Gasthof Hechenmoos links abbiegen (Tafel: "Pension Künstler") und 2,1 km bis zur Parkmöglichkeit.

Anforderungen: Mittelschwere, recht lange Skitour mit Steilstücken. Solide Aufstiegs- und Abfahrtstechnik, gute Kondition und Orientierungsvermögen nötig.

Einkehr: Unterwegs keine. Gasthöfe in Jochberg.

Ausrüstung: Komplette Skitourenausrüstung inkl. LVS-Gerät, Schaufel, Sonde, Mobiltelefon. Harscheisen oft hilfreich!

Karte: ÖK 1:25.000V Nr. 3220-West

  • Weitblick: Der Gipfel liegt strategisch günstig, dementsprechend umfassend ist das Panorama
    foto: uwe grinzinger

    Weitblick: Der Gipfel liegt strategisch günstig, dementsprechend umfassend ist das Panorama

  • Überblick: Von Beginn an ergeben sich schöne Ausblicke, wie hier zum Wilden Kaiser.
    foto: uwe grinzinger

    Überblick: Von Beginn an ergeben sich schöne Ausblicke, wie hier zum Wilden Kaiser.

  • Tiefblick: Am Gipfel liegt uns die Oberkaseralm im Wiesenegggraben zu Füßen.
    foto: uwe grinzinger

    Tiefblick: Am Gipfel liegt uns die Oberkaseralm im Wiesenegggraben zu Füßen.

  • Lichtblick: Auf der Schützalm schieben sich die Hohen Tauern (rechts hinten) ins Blickfeld.
    foto: uwe grinzinger

    Lichtblick: Auf der Schützalm schieben sich die Hohen Tauern (rechts hinten) ins Blickfeld.

  • Rückblick: Im unteren Teil haben wir v. a. das "skifreundliche" Gelände um Jochberg im Rücken.
    foto: uwe grinzinger

    Rückblick: Im unteren Teil haben wir v. a. das "skifreundliche" Gelände um Jochberg im Rücken.

  • Hofblick: Die Bauern um Jochberg haben sich für ihre stattlichen Höfe nicht die schlechtesten Platzerl ausgesucht.
    foto: uwe grinzinger

    Hofblick: Die Bauern um Jochberg haben sich für ihre stattlichen Höfe nicht die schlechtesten Platzerl ausgesucht.

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