Interstellare "Zigarre" hat einen organischen Hitzeschild

20. Dezember 2017, 07:07
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Forscher untersuchten die Oberfläche des Objekts, das doch nicht so außergewöhnlich ist, wie zunächst angenommen

foto: eso/m. kornmesser
Künstlerische Darstellung des Asteroiden Oumuamua: Seine Kruste ist nach einigen Millionen, womöglich sogar Milliarden Jahre im All gut durchgebacken.

Belfast/Wien – Der Asteroid Oumuamua, der am 19. Oktober dieses Jahres erstmals gesichtet wurde, ist der erste Besucher aus einem anderen Sonnensystem, der eindeutig als solcher identifiziert worden ist. Entsprechend groß ist das Interesse von Astronomen aus aller Welt, möglichst viel über das Objekt herauszufinden, das nach dem hawaiianischen Begriff für Botschafter benannt ist. (Der Asteroid wurde zuerst von Hawaii aus beobachtet.)

Interessant ist der exotische Himmelskörper nicht zuletzt wegen seiner seltsamen Form: Er dürfte etwa 230 Meter lang sein, aber nur rund 50 Meter dick. Eine solche zylindrische Form gilt auch für interstellare Raumschiffe als geeignet, weshalb der "Botschafter" auch von der kalifornischen Initiative "Breakthrough Listen" auf verdächtige Signale untersucht wurde. Doch der Asteroid blieb stumm, birgt also keine Alien-Technologie, sondern ist natürlichen Ursprungs.

Kohlenstoffreiche Hülle gegen Hitze

Ähnlich ernüchternd ist eine am Montag veröffentlichte Studie eines internationalen Astronomenteams um Alan Fitzsimmons (Uni Belfast) im Fachblatt "Nature Astronomy": Die Forscher legten die bislang genauesten Erkenntnisse über die Oberfläche des Himmelskörpers vor und berichten, dass Oumuamua von einer etwa 50 Zentimeter dünnen Hülle aus organischem, also kohlenstoffreichem Material umgeben ist, das den eisigen Kern wie eine Art Hitzeschild vor großer Wärme und kosmischer Strahlung schützt.

Das hat sich auch beim Besuch im Sonnensystem bewährt: Bereits am 9. September war das zigarrenförmige Obkjekt in nur einem Viertel der Erdentfernung an der Sonne vorbeigeflogen und dabei auf bis zu 300 Grad Celsius erhitzt worden. Dadurch hätte er auftauen und möglicherweise sogar zerbrechen können, da Astronomen davon ausgehen, dass derartige Objekte zu einem erheblichen Anteil aus Eis bestehen. Die gut durchgebackene Kruste war entsprechend auch der Grund, warum Oumuamua keinen Schweif nach sich zog.

Ähnlich wie sogenannte Kleinkörper

Die kohlenstoffreiche Kruste sei vermutlich die Folge eines Millionen oder Milliarden Jahre langen Beschusses mit kosmischer Strahlung während der Reise durch den interstellaren Raum und ähnele der Oberfläche von sogenannten Kleinkörpern aus den Randbezirken unseres eigenen Sonnensystems, schreiben die Astronomen. Sogar die die rotgraue Farbe sei ganz ähnlich. (tasch, 20.12.2017)

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