Zugunglück in den USA: Entgleiste Bahn fuhr deutlich zu schnell

19. Dezember 2017, 10:16
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Erste Hinweise auf Unglücksursache nach Unfall mit drei Toten und 100 Verletzten

Seattle – Nach dem schweren Zugunglück im Nordwesten der USA sind erste Ermittlungsergebnisse bekannt geworden. Der im Bundesstaat Washington entgleiste Zug war deutlich zu schnell unterwegs, teilte die US-Verkehrsbehörde am Montagabend mit. Auf dem Streckenabschnitt, auf dem gut 50 Stundenkilometer erlaubt sind, sei der Zug rund 130 km/h schnell gefahren.

Bei dem Unglück wurden drei Menschen getötet und hundert verletzt. Es sei zu früh zu sagen, warum der Zug so schnell fuhr, sagte Behördenvertreterin Bella Dinh-Zarr. Die Geschwindigkeitsangabe sei eine Schätzung auf Grundlage von Messungen eines Datenschreibers in der hinteren Lokomotive des Unglückszugs.

Lange Auswertung

Von der Auswertung des Datenschreibers aus der vorderen Lok erhoffen sich die Ermittler weitere Erkenntnisse. Mit schnellen Ergebnissen sei aber nicht zu rechnen, die Untersuchung werde sieben bis zehn Tage in Anspruch nehmen.

Der Amtrak-Zug war mit 84 Personen – 77 Fahrgäste und sieben Angestellte – Montagfrüh auf dem Weg von Seattle nach Portland in einer Kurve nahe der Stadt DuPont entgleist. Mehrere Waggons stürzten von einer Brücke auf eine Schnellstraße und beschädigten mitten in der Rushhour fünf Autos und zwei Lastwagen. Mindestens drei Bahnreisende starben. Etwa hundert Menschen wurden verletzt, mehrere von ihnen lebensgefährlich.

Jungfernfahrt auf modernisierter Strecke

Der Zug befuhr die neu instand gesetzte Strecke zum ersten Mal – neue Lokomotiven, modernisierte Schienen und eine bessere Signaltechnik sollen die Fahrt zwischen Seattle und Portland im Bundesstaat Oregon verkürzen. Die Züge sollten die Strecke mit bis zu 127 Stundenkilometern befahren.

In den vergangenen Monaten hatten Lokalpolitiker und Behördenvertreter mehrfach Sicherheitsbedenken geäußert: Sie warnten insbesondere vor einer zu hohen Geschwindigkeit der Züge in den Kurven. Die Verkehrsbehörde des Bundesstaates versicherte, es habe wochenlang Inspektionen und Versuche gegeben.

Die neuen Lokomotiven sind zwar mit einer Technologie ausgestattet, die die Geschwindigkeit der Züge kontrolliert und sie in Gefahrensituationen automatisch abbremst. Die Technologie ist aber noch nicht auf der gesamten Strecke einsatzbereit.

US-Präsident Donald Trump wies nach dem Unglück auf seinen Infrastrukturplan hin. Der Unfall sei der Grund, warum seinem Plan, "der bald beantragt wird", schnell zugestimmt werden müsse, schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter.

Bereits im Mai 2015 war ein Amtrak-Zug in einer Kurve entgleist. Damals kamen in Philadelphia acht Menschen ums Leben, mehr als 200 weitere wurden verletzt. Der Zug war ebenfalls mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs. Im September 2016 gab es bei einem Zugunglück in einem Bahnhof in Hoboken im Bundesstaat New Jersey einen Toten und 114 Verletzte. (APA, 19.12.2017)

  • Waggons eines Zuges sind auf eine vielbefahrene Autobahn gestürzt.
    foto: ap / elaine thompson

    Waggons eines Zuges sind auf eine vielbefahrene Autobahn gestürzt.

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