"Romeo und Julia": Doch nicht immer dasselbe

    18. Dezember 2017, 18:00
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    Nicht schon wieder. Oder doch? Das Ensemble T21büne rettet im Wiener Muth Shakespeares Klassiker in fünf Versionen. Die Mehrzahl der Darsteller sind Menschen mit Trisomie 21

    Wien – Die Intendantin eines "Staatstheaters" hat ein Problem, das ihr nicht auffällt. Schon wieder setzt sie Shakespeares Tragödie Romeo und Julia auf den Spielplan. Stolz präsentiert Theaterleiterin Föhdinger dieses Programm auf einer Pressekonferenz. Da passiert etwas Unerhörtes. Das Theaterpersonal stört die Idylle durch den Aufschrei: "Langweilig!"

    Mit diesem Skandal veredelte das Ensemble der T21büne (sprich: Tribüne) unter der Regie von Bea Vavken und Corinna Harrer – sie spielte selbst die Intendantin – seinem Publikum im Muth den vergangenen Sonntagnachmittag. Titel ihres Stücks: Romeo und Julia, Version 1/5. Es war der erste Teil einer auf fünf Versionen angelegten Theatertanzserie, deren Fortsetzung als Version 2/5 am 18. Februar gezeigt wird. Die Mehrzahl ihrer Darsteller sind Menschen mit Trisomie 21.

    Diese Satire auf das fragwürdige Glück von scheinbar immer gleich programmierten Theatern, deren Spielpläne oft Komödien der Verwechselbarkeit darstellen, ist zu einer Köstlichkeit geraten. Und die bildet sich um die Einzigartigkeit der Darsteller des T21büne-Ensembles. Sie verkörpern zwei Haustechniker, ein Kantinenduo, drei Sekretärinnen, eine Telefonistin – oder Mara, die als Assistentin der Intendantin schicksalsergeben überallhin nachfolgt.

    Zu ganzer Blüte

    Vavken und Harrer schaffen es mit lockerer Hand, die Qualitäten der Darsteller in die Interpretation ihrer Figuren zu ganzer Blüte zu bringen. Jede Rolle ist ideal besetzt, und die Talente aller Schauspieler und Tänzer gehen auf geheimnisvoll zauberhafte Art auf. Die Intendantin und eine Praktikantin, die auch als Erzählerin dient, haben zwar nicht Trisomie 21, spielen aber auch ganz gut.

    Bisher geschah: Eine der Sekretärinnen will ihre Version von Romeo und Julia inszenieren. Die erste Probe dafür ist in der nächsten Folge des Stücks zu sehen, die ohne Besuch des ersten Teils besucht werden kann. (Helmut Ploebst, 19.12.2017)

    Weitere Termine: T21büne

    • Das Ensemble T21büne brilliert im Wiener Kulturhaus MuTh beim Augarten.
      foto: constanze trzebin / fotostube

      Das Ensemble T21büne brilliert im Wiener Kulturhaus MuTh beim Augarten.

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