Kapitalmarktpläne von Türkis-Blau: "Es geht in die richtige Richtung"

18. Dezember 2017, 17:07
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Finanzbranchenverbände begrüßen die Vorhaben der neuen Regierung

Wien – "Das Christkind war brav", sagt Rudolf Kinsky, Präsident der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation, in Reaktion auf das Programm der neuen Regierung. Dort steht im Kapitel Kapitalmarkt unter anderem das Ziel, "alternative Finanzierungsformen auszubauen" und die Entwicklung einer "Gesamtstrategie Risikokapital". Kinsky sieht das positiv: "Es braucht dringend eine Architektur für Förderungen und privates Kapital." Denn derzeit fließe Venture Capital von Business-Angels und nicht von Fonds. Das Geld der Fonds würde aber dringend gebraucht, "damit wir wettbewerbsfähig werden", sagt Kinsky. Dann könne sich auch ein vorbörslicher Markt entwickeln – Exits über die Börse könnten öfter das Ziel sein. Dann nämlich, wenn der dritte Markt neu reguliert würde, was sich die neue Regierung ebenfalls vorgenommen hat.

Der dritte Markt wurde 2011 durch das Gesellschaftsrechtsänderungsgesetz für inländische Emittenten nämlich faktisch gesperrt, da für ein Listing nur Namensaktien möglich sind, die es in Österreich nicht gibt, weil Inhaberaktien ausgegeben werden. Für Namensaktien brauchte es Melderegister. Daher notieren im dritten Markt nur Unternehmen, die eine alte Ausnahmeregelung haben, oder eben ausländische Firmen. Neuzugänge aus dem Inland sind derzeit nicht möglich, was viele Börsengänge verhindert.

Bekenntnis zum Kapitalmarkt

Christoph Boschan, Chef der Wiener Börse, sieht die Vorhaben der Regierung daher ebenfalls positiv. "Das Regierungsprogramm und grundsätzliche Bekenntnis zum Kapitalmarkt machen Mut", sagt Boschan. Auch die geplante Stärkung der Finanzbildung freut Boschan. Das ist ein Punkt, den auch die Wiener Börse immer wieder gefordert hat. Zudem soll das Prospektrecht für KMUs erleichtert und die Gebühren für Börsengänge gesenkt werden. Auch die Wiedereinführung eines Kapitalmarktbeauftragten wird positiv gesehen.

Die angedachte Stärkung der zweiten und dritten Säule in der Pensionsvorsorge sieht man in der Branche ebenfalls gern. "Es geht in die richtige Richtung", sagt Dietmar Rupar, Generalsekretär der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften. Auch dass mit Hartwig Löger als Finanzminister ein Mann aus der Branche am Werken ist, mache Mut, dass die Punkte wirklich umgesetzt werden. "Es kann nur besser werden", sagt Rupar, denn "unter den Vorgängerregierungen ging gar nix, da war der Kapitalmarkt nur des Teufels Zeug", sagt Rupar. (Bettina Pfluger, 18.12.2017)

  • Börsenchef Christoph Boschan macht das neue Regierungsprogramm Mut.
    foto: apa/hinterramskogler

    Börsenchef Christoph Boschan macht das neue Regierungsprogramm Mut.

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