Burgenland testet neues Modell der Akutordination

    18. Dezember 2017, 14:54
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    In Oberwart beginnt ein Pilotprojekt, das ärztliche Versorgung an den Tagesrandzeiten sichern soll. Ab 22 Uhr sinkt die Nachfrage

    In Oberwart besteht seit Oktober 2016 eine Akutordination zur Versorgung von Patienten zu Tagesrandzeiten. Das Modell der auch als Bindeglied zwischen dem niedergelassenen und dem Spitalbereich fungierenden Einrichtung soll ab 2018 an den fünf Krankenhausstandorten umgesetzt werden, ließ die Burgenländische Gebietskrankenkasse (BGKK) und Ärztekammer verlautbaren.

    Ab 2018 soll es an den burgenländischen Spitalstandorten die neue Form der 24-Stunden-Versorgung für die Patienten geben, kündigte BGKK-Direktor Christian Moder an. Dabei erfolge die Versorgung tagsüber durch den niedergelassenen Arzt und von 19 bis 21 Uhr in einer Akutordination bei den Spitälern. Darüber hinaus soll es wie in anderen Bundesländern "Visitenärzte" geben, die Patienten zuhause aufsuchen, welche nicht in Akutordinationen kommen können oder nicht bis zum nächsten Ordinationstag warten können.

    Kaum nach 22 Uhr

    In der Nacht bestehe weiters die Möglichkeit, über die Notrufnummer mit einem Arzt verbunden zu werden. Dieser berate den Betroffenen und entscheide dann, ob eine Spitalsbehandlung notwendig sei, erläuterte Moder. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass nach 22 Uhr kaum mehr Fälle sind, die keiner stationären Behandlung bedürfen." Die Visitenärzte sollen besser gestreut werden, so dass das gesamte Landesgebiet innerhalb weniger Minuten von einem Arzt erreicht werden könne.

    Den – nicht mit der Akutordination zu verwechselnden – Primärversorgungszentren stehen sowohl Ärztekammer als auch BGKK reserviert gegenüber. Primärversorgungszentren würden bedeuten, dass Ärzte an wenigen Stellen konzentriert seien und dass die umliegenden Gemeinden keinen Arzt mehr hätten, weil es schlichtweg zu wenig ärztliches Personal gibt, um alles zu besetzen, erläuterte Kammer-Vizepräsident Michael Schriefl. Ähnlich argumentierte Moder: Solche Zentren würden sich vor allem im urbanen Bereich eignen.

    Gesundheitslandesrat Norbert Darabos (SPÖ) hatte die Einrichtung von Akutordinationen in allen Bezirken angekündigt. Aus Sicht der Ärztekammer komme eine Akutordination jedoch nur an einem Spitalstandort infrage, schränkte der Präsident der Ärztekammer Burgenland, Michael Lang, ein: "Der Sinn einer Akutordination ist, dass die Patientenströme geregelt werden. Wenn ich die irgendwo disloziert in die Peripherie setze, geht der Patient erst recht daran vorbei".

    Baustein in Primärversorgung

    Außerdem würden sich weitere Akutordinationen fernab von Spitälern "weder personell noch finanziell" ausgehen, glaubt Lang. Das Konzept der Akutordination, wie man es in Oberwart seit mehr als einem Jahr fahre, sei "ein österreichweites Unikat: Es gibt nichts Vergleichbares", sagte Schriefl.

    "Am Beginn jeder Diagnose sollte der niedergelassene Hausarzt, der Allgemeinmediziner, stehen", so Moder. Dabei gehe es jedoch nicht um "Blaulicht-Fälle", die sofort im Spital aufgenommen würden. Man wolle deshalb die Akutordinationen ins Gesamtkonzept einer neuen Primärversorgung über Ärztenetzwerke integrieren, damit auch die Spitalstrukturen von einer geänderten Form profitieren könnten.

    Man sei der Meinung, dass in Bezirken ohne Krankenhaus "so wie überall in Österreich" die Versorgung der Patienten mit Visitenärzten "gut und ausreichend" gemacht werden könne, so Schriefl. Damit sei man auf dem Level der anderen Bundesländer "mit dem Add-on, dass wir auch noch die fünf Akutordinationen als Zusatzzuckerl haben." (APA, 18.12.2017)

    Zum Weiterlesen:

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    Träge Systeme: Die Angst vor Veränderung

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