Gebirgsbachfauna weltweit einheitlich vom Gletscherschwund betroffen

21. Dezember 2017, 13:59
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Forscher untersuchten erstmals, wie sich die funktionellen Merkmale von Wirbellosen durch den Gletscherschwund verändern

Innbruck/Wien – Der Gletscherschwund durch den Klimawandel trifft viele Tierarten in Schmelzwasser-gespeisten Bächen und Flüssen. Der Großteil davon sind Wirbellose. Die Folgen für die funktionellen Merkmale dieser Arten gleichen sich weltweit, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal "Nature Ecology & Evolution". Die Veränderungen würden dadurch vorhersagbar, heißt es in der Studie.

Von Gletscherwasser gespeiste Bäche und Flüsse sind sehr harsche Lebensräume mit wenig Nährstoffen und sehr tiefen Temperaturen, erklärte Leopold Füreder von der Universität Innsbruck. Die wirbellosen Tiere (Invertebraten) darin müssen auf verschiedenste Weise daran angepasst sein.

Merkmale im Blick

Die Forscher um Lee Brown von der Universität Leeds (Großbritannien) untersuchten erstmals, wie sich ihre funktionellen Merkmale durch den Gletscherschwund verändern. Ihnen ging es in der Studie also nicht darum, welche Arten und Gattungen verschwinden oder davon profitieren, sondern welche Merkmale öfter oder seltener zu beobachten sind.

Das sind zum Beispiel bestimmte Körpergrößen, Formen wie etwa ein flacher, rundlicher oder länglicher Körper, die Zahl der produzierten Eier oder ob die Tiere außerhalb des Wassers fliegen können. Viele dieser Invertebraten sind nämlich Insekten, die ihr Larvenstadium in den Bächen und Flüssen verbringen und als erwachsene Tiere auf dem Land und in der Luft leben, so Füreder.

Vorhersagemodelle

Eine sehr widerstandsfähige und an extreme Lebensräume angepasste Gruppe sei etwa jene der Zuckmücken, etwas weiter bachabwärts bei moderateren Bedingungen kämen die Eintagsfliegen dazu und später auch Köcherfliegenlarven. "Je weiter man vom Gletscher weggeht, desto artenreicher werden die Gemeinschaften, und auch die Vielfalt ihrer Eigenschaften nimmt zu", so der Gewässerökologe.

Weltweit habe man bei Gletscherbächen und -flüssen von der Arktis über die Alpen, die Pyrenäen, die Rocky Mountains bis in die Berge Neuseelands die selben Effekte auf die Zusammenstellung der funktionellen Merkmale bei den Wirbellosen beobachtet. Das mache die Entwicklung gut vorhersagbar, sagte Füreder. Vereinfacht gesagt: Wenn in den Alpen auf einmal die Larvenformen mit flachem Körperbau verschwinden, wird das wahrscheinlich bald auch in Neuseeland und Amerika passieren. (APA, 21.12.2017)

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