Londoner Banker rufen wegen Bitcoin Staat zu Hilfe

17. Dezember 2017, 18:00
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Finanzzentrum fordert strengere Regulierung, EU verschärft Regeln für Handelsplattformen

"Die Ihr eintretet, lasst alle Hoffnung fahren": Mit der apokalyptischen Warnung aus Dantes Inferno wendet sich ein erfahrener britischer Banker an potenzielle Bitcoin-Investoren. Howard Davies, seit zwei Jahren Chairman der Royal Bank of Scotland (RBS), spricht damit für viele Akteure am Finanzplatz London. Dort überwiegt bisher die Skepsis gegenüber digitalen Kryptowährungen. Ist das eigenen schmerzhaften Erfahrungen mit Asset-Blasen geschuldet oder doch nur dem tiefverwurzelten Misstrauen gegen neuartige Finanzprodukte, die man nicht selbst erfunden hat?

Davies, 66, gehört eher in die erste Kategorie. Er amtierte während der 2000 geplatzten Dotcom-Blase als Leiter der wenig wirksamen Finanzaufsicht FSA. Seine derzeitige Firma verfügt über ganz eigene Erfahrung mit katastrophaler Arroganz: Beim Finanzcrash 2008 musste die tiefverschuldete RBS von der Londoner Regierung gerettet werden, die Aktien verbleiben auch heute noch zu fast drei Vierteln in staatlicher Hand.

Reaktion auf die Finanzkrise

Bitcoin war eine Reaktion auf die globale Finanzkrise. Die Zahl der Einheiten wurde auf 21 Millionen begrenzt, davon sind annähernd 17 Millionen im Umlauf. Ihr Wert hat sich binnen Jahresfrist verachtzehnfacht. Kurioserweise rufen viele der normalerweise von freien Märkten schwärmenden Banker und Broker in der City of London beim Stichwort Bitcoin nach dem Staat.

Aufsichtsbehörden weltweit müssten Aufmerksamkeit zeigen, glaubt Chefökonom Simon French vom Börsenmakler Panmure Gordon: "Kryptowährungen könnten die Kurse von regulierten Finanzunternehmen in einer Weise beeinflussen, die kaum jemand versteht." Die zuständigen Aufseher haben zwar noch nicht offiziell Stellung bezogen, ihre Warnungen aber sind klar. Mögliche Investoren sollten "ihre Hausaufgaben machen und genau nachdenken", ehe sie sich in den Bitcoin-Boom stürzen, teilte vergangene Woche Jonathan Cunliffe mit, bei der Bank of England als Vizegouverneur für Finanzstabilität zuständig.

Spieler im Kasino

An Klarheit kaum zu überbieten war vergangene Woche auch Andrew Bailey, Leiter der Bankenaufsicht FCA. Wer Bitcoin kaufe, agiere wie ein Spieler im Kasino, sagte der erfahrene Finanzaufseher der BBC: "Bereiten Sie sich darauf vor, Ihr Geld zu verlieren." Zum einen sei völlig unklar, wie der Preis für die Kryptowährung zustande kommt. Und die begrenzte Zahl von Bitcoin-Einheiten mache zum anderen die Anlageform zu einer "merkwürdigen Handelsware".

Auf striktere Regelungen geeinigt hat man sich bereits auf EU-Ebene: Staatenvertreter und das EU-Parlament haben sich auf strengere Regeln für Plattformen geeinigt, auf denen Bitcoin und andere virtuelle Währungen gehandelt werden. Damit sollten Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung erschwert werden, teilte die EU mit. Mit den neuen Regeln sollen künftig anonyme Transaktionen auf Handelsplattformen ebenso untersagt werden wie Transaktionen mit Prepaidkarten. (Sebastian Borger aus London, 18.12.2017)

  • Bitcoin ist zunehmend umstritten.
    foto: afp

    Bitcoin ist zunehmend umstritten.

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