Facebook gibt zu: Nutzung der Seite kann User deprimieren

    16. Dezember 2017, 10:17
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    Das soziale Netzwerk veröffentlicht in seinem Blog Forschungsergebnisse zur Facebook-Nutzung – und rät zu mehr Interaktionen

    In den vergangenen Monaten ist Facebook durch Aussagen von ehemaligen Mitarbeitern und Investoren stark unter Druck geraten. Sie warfen dem IT-Konzern vor, die menschliche Psyche zu manipulieren, um eine maximale Verweilzeit auf der Seite zu erschaffen. Facebook gefährde außerdem den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sagte Ex-Manager Chamath Palihapitiya. Facebook hat nun mit der Publikation von Forschungsergebnissen darauf reagiert. Sie zeigen, dass die rein passive Nutzung der Seite tatsächlich zu negativer Stimmung führen kann.

    Nur auf Facebook surfen

    Ein Experiment der University of Michigan belegte etwa, dass sich Studenten, die nur auf Facebook gesurft haben, am Ende des Tages klar schlechter fühlten. Im Gegensatz dazu verbesserte sich die Stimmung, wenn Nutzer interagierten – also beispielsweise bei Freunden kommentierten oder im Messenger mit anderen Usern sprachen.

    Fremde und eigene Profile

    Ein weiteres Experiment lieferte das Ergebnis, dass die Durchschau des eigenen Facebook-Profils zu guter Stimmung führte, während ein Blick auf andere Profile Selbstzweifel verursachte. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass die polierte Darstellung der Leben anderer Nutzer in sozialen Medien zu einem Druck an sich selbst führt, ebenso toll zu sein – also: so viel zu reisen, so gut zu essen, so schöne Erlebnisse zu haben. Der Blick aufs eigene Profil versicherte Usern, dass sie selbst ohnehin auch ein erinnerungswürdiges Leben führen.

    Facebook: Mehr interagieren!

    Facebook selbst interpretiert die verschiedenen Forschungsergebnisse dahingehend, dass Nutzer einfach mehr interagieren sollen. Es ginge darum, "wie man soziale Medien benutzt", so das Unternehmen. Das muss aber nicht sein – eine andere Interpretation wäre etwa, dass schon deprimierte Personen ohnehin wenig interagieren; der Einfluss durch soziale Medien also begrenz ist.

    Mehr Interaktionen liegen natürlich auch im Interesse von Facebook, das so eine höhere Verweilzeit, mehr Daten und mehr Werbeanzeigen erlangt. Der Schritt, auch kritische Forschungsergebnisse zu publizieren, wird von Facebook-Skeptikern allerdings begrüßt.

    Erste Fixes

    Die Plattform hat nun auch erste Schritte präsentiert, um ein besseres Nutzungserlebnis zu ermöglichen. So können User künftig bestimmte Personen oder Seiten für 30 Tage ausblenden, außerdem erhalten sie mehr Kontrolle darüber, was ihre Ex-Partner sehen. Dazu kommen Investitionen in den News Feed, der optimiert werden soll. (fsc, 16.12.2017)

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      foto: apa/afp/leal-olivas
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