Was die ausländische Presse über Türkis-Blau denkt

16. Dezember 2017, 19:13
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DER STANDARD hat sich im internationalen Blätterwald umgeschaut – und ergänzt laufend

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Der linksliberale "Guardian" aus London ortet einen veritablen Rechtsruck in Österreich. ÖVP-Chef Sebastian Kurz habe sich gegen potenzielle Kritik gewappnet, indem er einen proeuropäischen Kurs seiner Regierung garantierte.

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Die liberale "Neue Zürcher Zeitung" aus der Schweiz ortet eine besondere Machtkonzentration in den Händen der FPÖ: "Die Freiheitlichen erhalten gewichtige Ministerien und die Kontrolle über alle uniformierten Kräfte."

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Im Hamburger "Spiegel" macht man sich Sorgen über eine FPÖ-Personalie: "Größter Aufreger ist der künftige Innenminister Herbert Kickl, 49, bislang Generalsekretär und so etwas wie das Mastermind der FPÖ. Er war Redenschreiber des verstorbenen Rechtspopulisten Jörg Haider und Texter von FPÖ-Wahlsprüchen wie 'Abendland in Christenhand', 'Daham statt Islam' oder 'Wiener Blut – zu viel Fremdes tut niemandem gut'."

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Die linksliberale "Le Monde" aus Paris nennt die neue Koalition "la droite et l'extrême droite" – rechts und rechtsextrem. Auch wenn man sich im Ton durchaus um Warmherzigkeit bemühe, das Programm der beiden Parteien sei viel eher radikal, liest es sich dort.

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Die konservative "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vergleicht die Regierungsbildungen in Deutschland und Österreich: "Während die Regierungsbildung in Deutschland feststeckt, haben sich ÖVP und FPÖ im Eiltempo auf eine Koalition geeinigt. Damit kommt der jüngste Regierungschef Europas an die Macht."

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Die rechtsliberale "Welt" aus Berlin zitiert Sebastian Kurz, Chef der "konservativen" ÖVP, die künftig mit der "rechten" FPÖ koaliert: "Die Österreicher haben eine Richtungswahl für Veränderung getroffen."

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Die linke "Libération" aus Paris schreibt: "Diese Verbindung krönt ein erfolgreiches Jahr für die extreme Rechte in Europa, die sich auch in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland stark gesteigert hat, ohne jedoch deshalb an die Macht zu kommen. (...) Heinz-Christian Strache, Architekt eines Bündnisses der FPÖ mit der Partei Geeintes Russland von Wladimir Putin, ist außerdem Befürworter einer Annäherung Österreichs an die Gruppe der Visegrad-Staaten, die offen europakritische Länder, wie Polen und Ungarn, einschließt."

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Die Madrider Tageszeitung "El País", ein Blatt des linksliberalen Spektrums, dazu: "Vor dem Hintergrund der Ablehnung einer neuerlichen Regierungsbeteiligung der extremen Rechten bei einem Teil der Bevölkerung und in Europa, haben sich beide Parteien sehr darum bemüht, ein Bild der Normalität zu vermitteln. Kurz hat den Unterschied zu der Zeit, als seine Partei zum ersten Mal mit der FPÖ reagierte, betont, und versichert, dass er eine 'pro-europäische' Politik verteidigen werde. (...) Unter der Führung von Strache, und vor allem während des zurückliegenden Wahlkampfs hat die FPÖ versucht, ihre einwanderungs- und islamfeindlichen Botschaften abzuschwächen, und hat außerdem öffentlich die Idee eines Referendums über einen Verbleib Österreichs in der EU ad acta gelegt."

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Das konservative Blatt "La Stampa" aus Turin: "Viel früher als Deutschland, wo die Regierungsverhandlungen versandet sind, schafft es Österreich 61 Tage nach den Wahlen, eine Regierung aus Rechten und Ultrarechte zu bilden. Kurz und Strache haben in zwei Monaten ihre nicht allzugroße politische Distanz verringert und ihre Programme verschmolzen, die schon von Anfang an sehr ähnlich waren.

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In Rom schreibt man bei der linksliberalen "La Repubblica": "Mit lediglich 31 Jahren ist Kurz der jüngste Kanzler in der österreichischen Geschichte und Europas jüngster Regierungschef. Sein Erfolg ist das Ergebnis eines wendigen Führungsstils, mit dem der bisherige Außenminister die Führung der ÖVP erobert und die Partei immer mehr nach rechts geführt hat. Damit konnte er die FPÖ auf Platz zwei verbannen, die laut Umfragen als Favoritin galt. Die Rechtspopulisten werden jedenfalls Schlüsselpositionen in der neuen Regierung einnehmen." (red, 16.12.2017)

  • Der Medienandrang ist groß – auch wenn es auf diesem Bild nicht so aussieht.
    foto: ap photo/ronald zak

    Der Medienandrang ist groß – auch wenn es auf diesem Bild nicht so aussieht.

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