Wenn Roboter beim Geldanlegen helfen

17. Dezember 2017, 08:00
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Immer mehr österreichische Start-ups im Bereich der Finanzdienstleistungen nutzen Technologie, um Geldanlage für jedermann zu ermöglichen

Wien – Sparen heißt hierzulande meist nur Geld zur Seite legen und nicht investieren. Drei von vier Österreichern bunkern ihr Vermögen auf dem Sparbuch, wie eine Umfrage der Ersten Bank jüngst ergab. Aber die seit Jahren mageren Zinsen unter der Inflation beflügeln alternative Angebote für Anleger. Eine Reihe von Fintechs aus Österreich, das sind Start-ups im Bereich der Finanzdienstleistungen, machen etablierten Banken und Vermögensverwaltern Konkurrenz.

Mit ihrem bereits fünfjährigen Bestehen ist die Wiener Anlegerplattform Wikifolio bereits ein alter Hase für Start-up-Verhältnisse. Ihr Konzept ist simpel: Wer selbst nicht weiß, wie er sein Geld investieren soll, kann erfolgreiche Anleger kopieren. Vom autodidaktischen Einzeltalent bis hin zu professionellen Vermögensverwalterteams legen Investoren ihr Portfolio – hier Wikifolio – auf der Plattform offen. Für jene Anlagestrategien, die genügend Interessenten überzeugt, werden Zertifikate ausgegeben, die an der Börse handelbar sind. Der Trader wiederum erhält eine Erfolgsprämie zwischen null und 30 Prozent, aber nur, wenn er auch Gewinne erzielt. Fix bei Wikifolio sind die Zertifikatgebühren, die im Jahr bis zu 0,95 Prozent ausmachen. Zudem fallen die Transaktionsgebühren an, die von der eigenen Depotbank abhängen.

Angebote für Spezialisten

Die Plattform eignet sich für interessierte Anleger, die Risiken erkennen und denen Fonds zu fad sind. Aber wie Wikifolios "Schwerpunkt Elektromobilität" oder "Internet der Dinge" andeuten, gibt es Angebote für Investoren, die sich spezialisieren wollen. Wer keine Freude damit hat, selbst Portfolios zu vergleichen, ist etwa bei Savity gut aufgehoben. Vor zwei Jahren gegründet, startete der Wiener Online-Vermögensverwalter diesen April sein Angebot. Zielgruppe sei jedermann, der eine alternative Geldanlage sucht, sagt Mitbegründerin Karin Kisling. Ab 10.000 Euro ist man dabei. Über die Online-Plattform legen Nutzer ihre Lebenssituation dar, bestimmen ihr Sicherheitsbedürfnis und geben Anlageziele bekannt. So weit, so bekannt aus der herkömmlichen Anlageberatung.

Was Savity, zumindest unter österreichischen Anbietern, abhebt, ist die Kombination aus aktivem Management und passiver Anlageverwaltung per Algorithmus. "Wir sind aber kein einfacher Robo-Investor", sagt Kisling. Darum setze man etwa nicht nur auf Indexfonds (ETFs), die meist kostengünstig und automatisch Aktienindizes wie den New Yorker Dow Jones oder den Frankfurter Dax replizieren. "Bei Emerging Markets etwa haben aktiv gemanagte Fonds besser als ETFs abgeschnitten", nennt Kisling ein Resultat ihrer Analysen.

Algorithmus hilft mit

Nachdem der Computer die Fülle an Anlageprodukten vorsortiert hat, wählen die Vermögensverwalter von Savity selbst geeignete Assets. Aus diesem Pool von rund 1200 Produkten aus 39 "sortenreinen" Asset-Klassen stellt der Algorithmus die Portfolios für die Kunden zusammen.

Außerdem haben immer mehr Kunden konkrete ethische Anlagevorstellungen. "Viele Österreicher lehnen beispielsweise Atomkraft, Genmanipulation, Rüstungs- oder Glücksspielkonzerne ab", sagt Kisling. Darum bietet Savity auf Wunsch nachhaltige Investitionsfonds, die umstrittene Märkte ausklammern. Mit dem eigenen "Legends-Fonds" dürfen Savity-Kunden auch globalen Spitzeninvestoren wie Warren Buffett oder Carl Icahn nacheifern.

Für Anlage und Beratung verrechnet Savity pauschal 0,95 Prozent. Hinzu kommen die jeweiligen Fondsgebühren, die zwischen 0,39 und 0,79 Prozent liegen.

Erster Robo-Investor

Seit Juni hat Österreich mit dem Fintech Finabro aber auch seinen ersten echten Robo-Investor. Auch hier ist die Zielgruppe "jedermann", sagt Mitbegründer Sören Obling. Tatsächlich ist man mit 25 Euro monatlicher Sparrate dabei. Kunden geben ihre Ziele an, sei es, eine Starthilfe für die dreijährige Tochter zum künftigen Uni-Abschluss anzusparen oder für die eigene Pension vorzusorgen. Der Algorithmus wählt die passenden Fonds aus. "Die Kunden fallen in eine von zehn Risikostufen", so Obling. Aber mit dreifach geleveragten Bitcoin-Futures verbrennt sich keiner die Finger. Einzig passiv gemanagte Index-Fonds und Cash kommen in die Portfolios. Wer also "riskant" spart, setzt nur auf Aktienindex-Fonds. Wer risikoavers unterwegs ist, hat mehr Anleihen.

Sicherheit geht vor

Sicherheit sei aber ein derart wichtiges Thema, dass Finabro zusätzlich eine "Risikobrücke" einsetzt, erklärt Obling. Dabei reagiert der Computer auf extreme Markteinbrüche und verkauft, bevor die Kurse im Keller sind. Sobald es wieder bergauf geht, steigt der Roboter wieder ein. Das ist mit potenziellen Kosten verbunden, gesteht Obling ein. Schließlich kann es sein, dass man den optimalen Wiedereinstieg verpasst, außerdem fallen öfters Transaktionsgebühren an. Dafür gibt es keine schlaflosen Nächte wegen Lehman-Pleite oder Dotcom-Blase.

Wer längerfristig investieren will, kann bei Finabro auch steuerschonend über eine fondsgebundene Lebensversicherung anlegen. Auch das sei als Fintech-Produkt einzigartig in Österreich, sagt Obling. (Leopold Stefan, 17.12.2017)

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    foto: gettyimages

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