Buwog & Politik: Kein Verlass auf Dresscodes in unruhigen Zeiten

Glosse16. Dezember 2017, 09:04
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Man muss ja nicht immer geschmackssicher sein

Wie der Stil, so der Mensch." Man muss nicht dieses Sprichwort zitieren, um derzeit ins Grübeln zu kommen. Da beginnt im Großen Schwurgerichtssaal einer der größten Prozesse Nachkriegsösterreichs, und ein Anwalt tritt in einem mit Geldscheinen übersäten Anzug von Vivienne Westwood auf. Am nächsten Tag dann in einem pinken Kreisch-Model von Moschino. Und am Freitag schließlich im schwarzweißen Dreiteiler zu schwarzem Hemd und weißer Krawatte von Enrico Coveri. In einem karierten wohlgemerkt, ein gestreifter hätte wohl zu sehr an jene Etablissements erinnert, vor denen der Herr Anwalt seine Klienten schützen will.

foto: apa/h. pfarrhofer (2)/hans klaus techt
Muss ja nicht immer geschmackssicher sein: Im Buwog-Prozess tritt Anwalt Michael Dohr (links und rechts) in Kreisch-Anzügen auf. Sebastian Kurz macht hingegen die Dreiviertelmode wieder populär.

Michael Dohr heißt der Mann, und er ist – so berichten Kenner der Anwaltsszene – genauso für seine auffallenden Designeranzüge bekannt wie seine Kollegen für ihre dunklen Allerweltsanzüge. Sie gehören zur Anwaltsbranche wie Sparkassenbrillen zu Sparkassenbeamten. Dachte man zumindest. Doch in diesen unruhigen Zeiten scheint auf Dresscodes genauso wenig Verlass zu sein wie auf saubere Westen bei ehemaligen Finanzministern.

Davon (Ersteres wohlgemerkt) legt auch ein anderer Vertreter aus dem schwarz-blauen Universum tagtäglich Zeugnis ab. Die Rede ist von Sebastian Kurz, der beinahe im Alleingang die Dreiviertelmode wieder populär machte. Na gut, bei Hosen ist er derzeit in guter Gesellschaft, bei den stramm auf der Hüfte sitzenden Slim-fit-Sakkos mit dem ostentativ zur Schau gestellten Hemddreieck aber ist er ein Vertreter wider den guten Geschmack. Bei zugeknöpfter Anzugjacke – so steht es in den Benimmfibeln – dürfe das Hemd in den unteren Regionen nicht zu sehen sein.

Muss man nicht so genau nehmen? Tut der zukünftige Bundeskanzler auch nicht. Zum Glück weiß er bei anderen Dingen, was sich gehört. Seit dem Wahlabend trägt er fast durchgehend Krawatte. Eine solche trägt übrigens auch der Herr Buwog-Anwalt. Wäre ja noch schöner! (hil, 15.12.2017)

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