Einmal noch mit Oliver Sacks denken

    Rezension16. Dezember 2017, 13:13
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    "Der Strom des Bewusstseins" war das letzte Buch, an dem der britische Neurologe und Bestsellerautor Oliver Sacks bis kurz vor seinem Tod arbeitete. Es erscheint nun auf Deutsch

    Erzählerisches Talent ist eine seltene Gabe unter Naturwissenschaftern. Einer, der das fächerübergreifende Denken auf genialische Weise beherrschte, war der englische Neurologe Oliver Sacks. Er springt spielerisch zwischen Biologie, Medizin und Philosophie hin und her – und bleibt dabei immer verständlich. Seine vielen Bücher waren stets ein Garant für neue Erkenntnisse.

    Als Sacks 2015 starb, hat er eine große Lücke in der Sachbuchliteratur hinterlassen. "Der Strom des Bewusstseins" war das letzte Projekt, an dem Sacks bis kurz vor seinem Tod arbeitete. Man könnte es also als sein ultimatives Vermächtnis, aufgeteilt in zehn Kapitel, bezeichnen. Es beginnt mit Sacks eigenen Helden wie Charles Darwin oder Sigmund Freud. Er beschreibt, was ihn an deren Theorien begeistert und was er in sein eigenes Fachgebiet, die Neurologie, mitnehmen konnte. Wie entsteht Bewusstsein? Wie funktioniert Zeitwahrnehmung? Warum vergessen wir?

    Mit solchen Fragen rollt er vor seinem Publikum die Erkenntnisse seines Lebens als Wissenschafter aus, stets mit persönlichen Anekdoten (Migräne, Schwerhörigkeit) und Fallbeispielen seiner tausenden Patienten, die seine Bücher so unvergleichlich und leicht verständlich machen. 253 Seiten lang erwacht Oliver Sacks also wieder zum Leben, Fans werden dieses Buch sehr langsam lesen. (Karin Pollack, 16.12.2017)

    • Oliver Sacks: Der Strom des BewusstseinsRowohlt 2017253 Seiten, € 22,70
      foto: rowohlt

      Oliver Sacks: Der Strom des Bewusstseins
      Rowohlt 2017
      253 Seiten, € 22,70

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