Nationalbank erwartet Wirtschaftswachstum von über drei Prozent für 2017

15. Dezember 2017, 15:46
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Im nächsten Jahr soll das Wachstum mit 2,8 Prozent etwas schwächer ausfallen. Die Arbeitslosenquote soll bis 2020 auf fünf Prozent fallen

Wien – Die deutsche Wirtschaft brummt – aber "die österreichische Wirtschaft brummt stärker". So umriss OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny am Freitag das außerordentlich kräftige BIP-Plus in Österreich, das von der Notenbank für heuer – nach einer weiteren Aufwärtsrevision – nun auf mehr als drei Prozent geschätzt wird, so hoch wie seit 2006/07 nicht mehr.

Für 2018 geht die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) von 2,8 Prozent realem Wirtschaftswachstum im Land aus, für 2019 und 2020 wird mit einer Abschwächung auf 1,9 bzw. 1,6 Prozent gerechnet. Die Arbeitslosenquote (nach Eurostat-Kriterien) wird vom Höchststand im Jahr 2016 von 6,0 Prozent 2017 auf 5,5 Prozent und bis 2020 auf 5,0 Prozent zurückgehen. Die Inflation soll laut Prognose von 1,0 Prozent im Vorjahr auf 2,2 Prozent heuer steigen und bis 2020 auf 1,9 Prozent sinken.

Hohe Inflation

Kopfzerbrechen bereitet der OeNB dabei der – in jüngster Zeit noch angewachsene – "Vorsprung" Österreichs, was die Höhe der Teuerungsrate betrifft. Im September sei die Jahres-Inflation mit 2,5 Prozent (nach HVPI-Rechnung) "überraschend hoch" gewesen und die Differenz zu Deutschland in den letzten drei Monaten auf 0,9 Prozentpunkte angestiegen, sagte Doris Ritzberger-Grünwald, Direktorin der OeNB-Hauptabteilung Volkswirtschaft.

Der größte Beitrag zu dem Abstand komme aus dem Dienstleistungsbereich, dabei (seit 2011) allein knapp über ein Viertel Prozentpunkt aus Bewirtungsdienstleistungen. Der Punkt Nächtigungen, etwa in Hotels, habe sich demgegenüber nicht als Triebfeder für die Inflationsdifferenz erwiesen.

Mehr Auswärtsesser

Vielmehr würden in Österreich offenbar lieber als in Deutschland Speisen und Getränke außer Haus konsumiert – und seien daher auch stärker gewichtet in Preisindex, so Ritzberger-Grünwald. Restaurants, Cafes, Tanzlokale und Kantinen hätten bei uns ein Gewicht von 11,8 Prozent, in Deutschland von 4,3 Prozent – das erkläre einen Gutteil des Unterschieds. Dass die Preise im Tourismus höher seien, sei ja nicht unbedingt grundsätzlich negativ, meinte Nowotny dazu.

Denn es zeige, dass die heimischen Betriebe, der höheren Nachfrage Rechnung tragend, ihre Produkte zu höheren Preisen verkaufen. Es handle sich also auch um eine "Verbesserung der terms of trade". Und für Ritzberger-Grünwald interessant: Der Effekt unterschiedlich teurer Bewirtung bleibt auch, wenn statt des HVPI der heimische VPI betrachtet wird, also bereinigt um ausländische Gäste. Die OeNB werde sich das Teuerungsthema näher ansehen und dazu im Jänner mehr Informationen veröffentlichen.

Welthandel belebt Konjunktur

Die Gründe für das kräftige Wirtschaftswachstum liegen laut OeNB in der Belebung des Welthandels, was zu einer Zunahme der realen Exporte um 5,6 Prozent in diesem Jahr führt. Auch in der für Österreichs Exporteure wichtigen Region CEE sehe man ein gutes Wachstum, deutlich über Weltniveau, so Nowotny. Was früher als mögliches Risiko angesehen worden sei, stelle sich nun als große Chance heraus. Bis 2020 wird ein gradueller Rückgang des Exportanstiegs bis auf 4,0 Prozent erwartet.

Auch die Investitionstätigkeit ist eine tragende Säule des Aufschwunges – laut Nowotny wird nun auch wieder massiv in Erneuerungen investiert, etwa Maschinen, aber auch in IT. Die Wirtschaft werde also langfristig zukunftsträchtiger, so der OeNB-Gouverneur. Das Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen betrug 2016 und 2017 je 8 Prozent. Die Wachstumsrate soll sich bis 2020 aber auf 1,9 Prozent verlangsamen.

Der Ausrüstungsinvestitions-Zyklus werde also erstens noch etwas anhalten und sei außerdem stärker als alle früheren Zyklen, so Ritzberger-Grünwald. Die Bruttoanlageinvestitionen würden heuer um 5,1 Prozent, 2018 um 2,9 Prozent zulegen, weil vermehrt das Erweiterungs- das Ersatzmotiv verdränge. "Der Investitionszyklus schwächt sich ab in den nächsten Jahren, ist aber in Dauer und Größenordnung außerordentlich stark."

Arbeitslosigkeit sinkt

Auch die Lage am Arbeitsmarkt verbessert sich deutlich. "Die Arbeitslosigkeit sinkt, das ist eine weitere schöne Nachricht", meinte die OeNB-Ökonomin. Das Arbeitskräfteangebot wachse zwischen ein und zwei Prozent jährlich, die Beschäftigung lege aber noch stärker zu. Deshalb könne die Arbeitslosenquote zurückgehen. "Die Hochkonjunktur beschert uns das", so Ritzberger-Grünwald. Die Anzahl der unselbstständig Beschäftigten wird 2017 und 2018 um 1,8 bzw. 1,9 Prozent steigen. Die Arbeitslosenquote (Eurostat) von 6,0 Prozent im Jahr 2016 bis auf 5,0 Prozent 2020 zurückgehen.

Ob es bereits eine Arbeitskräfteknappheit in bestimmten Bereichen gebe, wird die Expertin gefragt. Ja, es werde in den sogenannten Mangelberufen "schwieriger jemanden zu finden". Vor allem in Handwerksberufen sehe man eine beginnende Knappheit. Zudem nehme auch der Lohndruck zu, und die Löhne würden steigen. Die heimische Inflation soll heuer ihren Höhepunkt mit 2,2 Prozent erreichen und bis 2020 auf 1,9 Prozent zurückgehen. Bestimmt werde die Inflationsprognose durch höhere Rohstoffpreise, die bessere Konjunktur, aber auch eine Inflationsüberschätzung in einzelnen Komponenten.

Sinkende Staatsschuld

Der Gesamtstaats-Budgetsaldo soll sich von -1,6 Prozent 2016 auf -0,8 Prozent des BIP heuer verbessern. Grund dafür sind das gute konjunkturelle Umfeld und die sinkenden Zinsausgaben. So hätten Österreichs Zinsausgaben 2016 noch 7,5 Mrd. Euro betragen, würden bis 2020 auf 5,7 Mrd. Euro sinken, sagte Nowotny.

Auch für 2018 und 2019 erwartet die Nationalbank eine weitere deutliche Verbesserung des Budgetsaldos. Die Schuldenquote solle bis 2020 auf 69 Prozent sinken. Die Verwertung von Vermögenswerten der verstaatlichen Banken begünstigt den Rückgang. 2017 war sie für mehr als 5 Prozentpunkte des Rückgangs auf 78,3 Prozent verantwortlich. "Entwarnung" wollte Nowotny zu dem Themenkomplex aber noch nicht geben, denn es gebe immer die Gefahr von "Fehlern in guten Zeiten". Nötig sei eine umsichtige Wirtschafts- und Finanzpolitik. (APA, 15.12.2017)

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