Zehntausende Kinder in Australien über Jahrzehnte missbraucht

15. Dezember 2017, 06:21
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Die katholische Kirche des Landes entschuldigt sich, will am Beichtgeheimnis aber nicht rütteln

Canberra – In Australien sind über Jahrzehnte hinweg zehntausende Kinder in kirchlichen und staatlichen Einrichtungen sexuell missbraucht worden. Das geht aus dem am Freitag vorgestellten Abschlussbericht einer offiziellen Ermittlungskommission hervor. Die genaue Zahl von Opfern ist nicht bekannt. Geschätzt wird, dass etwa 60.000 Menschen Anspruch auf Entschädigung geltend machen können.

"Zehntausende Kinder in vielen australischen Einrichtungen wurden sexuell missbraucht. Die genaue Zahl werden wir nie wissen", heißt es in dem Bericht. Die Kommission war 2012 von der damaligen Premierministerin Julia Gillard eingerichtet worden, nachdem mehrere schwere Missbrauchsfälle bekannt geworden waren. Ihr Nachfolger Malcolm Turnbull sprach von einer "nationalen Tragödie".

Geistliche und Lehrer

Insgesamt berichtet die Kommission von Missbrauchsfällen in 4.000 Einrichtungen, darunter staatliche und kirchliche Schulen, Pfadfinderorganisationen und katholische Jugendgruppen. Vielfach waren Geistliche und Lehrer die Täter. Es gebe "keine einfache Erklärung" dafür, wie es dazu kommen konnte, sagte Kommissionschef Philip Reed.

Die Kommission machte auch mehr als 400 Vorschläge, die verhindern sollen, dass sich Fälle in einem solchen Ausmaß wiederholen. Dazu gehört, dass sich künftig strafbar macht, wer von Sexualvergehen an Kindern weiß und diese nicht anzeigt. Zudem soll eine nationale Behörde zum Schutz von Kindern eingerichtet werden. An Kindergärten und Volksschulen soll künftig früher gewarnt werden.

Die Kosten der Untersuchung werden auf 500 Millionen australische Dollar (mehr als 320 Millionen Euro) geschätzt. Insgesamt wurden mehr als 1,2 Millionen Dokumente gesichtet.

Katholische Kirche entschuldigt sich

Die katholische Kirche hat sich bei den Opfern entschuldigt. Melbournes Erzbischof Denis Hart versprach am Freitag, dass die Schlussfolgerungen der Ermittlungskommission sehr ernst genommen würden. "Im Namen der katholischen Bischöfe und religiösen Führer erneuere ich unsere uneingeschränkte Entschuldigung an die Betroffenen für dieses Leid."

Am Beichtgeheimnis wird nicht gerüttelt

Die Forderung der Kommission, das Beichtgeheimnis zu lockern, damit Priester Fälle sexuellen Missbrauchs anzeigen können, von denen sie im Beichtstuhl erfahren, lehnt der Erzbischof jedoch ab. Für die katholische Kirche sei das Beichtgeheimnis von großer Bedeutung, sagte Hart. Falls Geistliche dagegen verstießen, drohe ihnen die Exkommunikation, also der Ausschluss aus der Kirche. (APA, 15.12.2017)

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