Österreich muss 2018 deutlich weniger Schulden machen

14. Dezember 2017, 19:33
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Finanzagentur plant um ein Viertel geringere Kapitalaufnahme – Sondereffekte fallen weg – 2017 sah mit 39 Milliarden Euro höchstes Volumen in der Zweiten Republik

Wien – Die Republik Österreich wird im kommenden Jahr um ein Viertel weniger frisches Kapital aufnehmen müssen, als in diesem Jahr. Für 2018 plant die zuständige Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) ein Emissionsvolumen von 27 bis 30 Milliarden Euro. Das sind um rund 10 Milliarden weniger als 2017, wobei heuer alleine 8 Milliarden für die Abwicklung der KA Finanz AG, der Bad-Bank der Kommunalkredit, benötigt wurden.

"Heuer habe wir viel erreicht. Die in diesem Jahr aufgenommenen rund 39 Milliarden Euro sind das höchste Finanzierungsvolumen in der Zweiten Republik", so OeBFA-Chef Markus Stix im Gespräch mit der APA. 2018 sollte wieder ein "normales" Jahr werden, es sollte zu keinen außerordentlichen Belastungen mehr für den Staatshaushalt kommen.

Tilgung

Nicht nur heuer sondern bereits 2016 musste Stix das Finanzierungsvolumen der Republik außerplanmäßig erhöhen. Wegen der Heta, der Bad-Bank der ehemaligen Kärntner Hypo Alpe Adria, mussten zusätzlich 3 Milliarden Euro aufgenommen werden – in Summe waren es 31 Milliarden Euro. Wie viel die Heta im Endeffekt der Republik kosten wird, stehe noch nicht fest, so Stix. Im Juli habe es die erste Auszahlung an die Gläubiger gegeben. "Jetzt muss man sehen, wie es sich weiter entwickelt."

Der Schuldendienst der Republik kann somit nach zwei Jahren mit außerordentlichen Belastungen wieder an die Jahre vor 2016 anschließen. Der größte Teil der geplanten Kapitalaufnahme wird auch 2018 wieder für die Tilgung von auslaufenden Staatsanleihen benötigt, nämlich rund 25 Milliarden Euro. Die geplante Netto-Neuverschuldung wird mit rund 3 Milliarden Euro angesetzt – das ist deutlich weniger als 2017 (9 Milliarden Euro) oder 2016 (10 Milliarden Euro), geht aus dem aktuellen "Funding Outlook 2018" der OeBFA hervor.

Großteil in Bundesanleihen

Auch im kommenden Jahr wird der größte Teil der geplanten Kapitalaufnahme über Bundesanleihen erfolgen. Der OeBFA-Finanzplan für 2018 sieht ein Bondvolumen von 20 bis 23 Milliarden Euro vor, nach rund 26 Milliarden Euro in diesem Jahr. Die restlichen 7 Milliarden entfallen wieder auf andere Finanzierungsinstrumente.

Auch im kommenden Jahr sind wieder ein bis zwei syndizierte Emissionen vorgesehen. Das sei abhängig von der Budgetentwicklung, so Stix. Mit diesem Instrument werden üblicherweise komplett neue Bundesanleihen auf den internationalen Kapitalmärkten eingeführt.

Per Jahresende 2018 ist eine durchschnittliche Laufzeit der Schuldenpapiere von 9,6 bis 10,3 Jahren vorgesehen. Aktuell sind es rund 10,0 Jahre. Wie jedes Jahr wird es wieder zwölf monatliche Auktionstermine für Bundesanleihen geben, wobei der August wie immer als Reservetermin gilt.

Der österreichische Finanzierungsplan reflektiere etwa 3 Prozent der Eurozonen-Finanzierung. Österreich sei damit ein kleiner Emittent. "Das gibt uns die Freiheit, auch zu schauen, wann wir unsere syndizierten Emissionen platzieren wollen", sagt Stix.

Bundesfinanzrahmengesetz

Stix betont, dass es sich bei diesen Zahlen um vorläufige Zahlen handelt, da es aufgrund der derzeit noch laufenden Regierungsbildung noch keinen Bundesfinanzvoranschlag für 2018 gebe. Die OeBFA plane auf Basis des Bundesfinanzrahmengesetzes. Da die österreichische Wirtschaft aber grundsätzlich gut laufe, sollte es auch unter der neuen Regierung zu keinen großartigen Veränderungen kommen.

Ein Highlight des abgelaufenen Jahres war die erstmalige Emission einer hundertjährigen Bundesanleihe. Eine neue sei für kommendes Jahr auszuschließen, betont Stix. Ob die aktuelle aufgestockt werde, hänge von der Nachfrage am Kapitalmarkt ab und wie sich das verringerte Anleihenrückkaufprogramm von EZB und Nationalbank auswirken werde. Einfluss auf das Emissionsprogramm könnte auch die Möglichkeit der Bundesländer haben, sich über die OeBFA zu finanzieren. (APA, 14.12.2017)

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