Erfolgreiche Saftpresser aus Oberösterreich

15. Dezember 2017, 14:00
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Wer Obst heute noch in seiner Ursprungsform konsumiert, ist doch völlig retro: Fruittech hat sich den Trend zum Fruchtsaft und Smoothie zunutze gemacht

Linz – Es gibt Momente im Leben, in denen selbst eine rabiate Ratte zum echten Glücksfall werden kann. So geschehen in der kleinen Innviertler Gemeinde Raab. Rainer Oberwagner eilte eines hektischen Tages mit seiner Katze in Richtung des örtlichen Tierarztes. Zu versorgen galt es die tierische Pfote, an der sich unmittelbar zuvor ein gemeiner Nager versucht hatte.

Der schmerzliche Zufall wollte es, dass der angepeilte Tierarzt sich in unmittelbarer Nähe der längst aufgelassenen Molkerei niedergelassen hatte. Und sich davor ein Verkaufsschild befand. Oberwagner war zu diesem Zeitpunkt längst mit seinem Partner Stefan Grubmair auf der Suche nach einem neuen Standort für ihr Start-up Fruittech GmbH.

Seit 2014 haben sich der Einzelhandelskaufmann und der Maschinenbauer auf die Verflüssigung von Obst spezialisiert. Entwickelt und gebaut werden Anlagen zur Veredelung und Haltbarmachung von Obst. Seit Frühling 2017 tüftelt, schraubt und schweißt man nun in Raab – die ehemalige Molkerei wurde gekauft, die Katze ist wieder gesund und die Ratte untergetaucht.

Apfelschwerpunkt

17 Mitarbeiter umfasst der ehemalige Zweimannbetrieb heute. Innerhalb von knapp zwei Jahren hat das Start-up-Unternehmen ein Händlernetz von Großbritannien über Bulgarien bis nach Russland aufgebaut und den Umsatz auf 1,3 Millionen Euro getrieben. "Unsere Stärke ist Apfelsaft. Acht von zehn unserer Maschinen und Anlagen verarbeiten Äpfel", erläutert Stefan Grubmair im STANDARD-Gespräch.

Die Saftkunden sind aber nicht die großen Konzentrat- und Fruchtsaftproduzenten, sondern Obstbauern und Lohnsafthersteller, die für Kleingartenbesitzer deren Äpfel pressen. Oberwagner: "Während es für die Großbetriebe längst qualitativ und hygienisch hochwertige Anlagen gibt, wurden kleine Produzenten von den Anbietern bisher stiefmütterlich behandelt." Vor allem bei den Themen Effizienz, Wartung, Bedienung, Reinigung und Hygiene hätte es Aufholbedarf gegeben.

Eier in die Flasche

Doch längst umfasst das Firmenportfolio mehr als nur den Apfel. "Unsere Stärke liegt nicht nur im Maschinenbau. Wir beraten jeden Kunden individuell und arbeiten dann ein spezielles Konzept aus. Vom passenden Produkt bis zur richtigen Maschine", erläutert Grubmair. Es gehe einfach darum, Kunden zu zeigen, was mit einer Veredelung der Produkte möglich ist. Oberwagner: "Verkaufe ich als Landwirt einfach Äpfel, lasse ich viel Geld auf der Straße liegen und bin saisonal ziemlich eingeengt. Produziere ich aber Bioapfelsaft, sieht die Geschäftswelt gleich ganz anders aus."

Aktuell bastelt man an einer Eierlikörmaschine. Oberwagner: "Als Eierbauer bist du gerade einmal zu Ostern gut im Geschäft. Den Rest des Jahres sitzt du dann auf einem Überschuss. Eierlikör ist da doch die ideale Lösung."

Das Hauptgeschäft liegt für das Jungunternehmen, Starthilfe kam vom Technologie- und Innovations-Management (TIM) des Landes und der Wirtschaftskammer, aber nicht in Österreich: 82 Prozent exportiert man in die Schweiz, Deutschland sowie in mittel- und osteuropäische Staaten. Als Standort hat sich die Molkerei als Glücksfall erwiesen: Mit dem Gebäude haben die Früchtepresser nämlich auch gleich eine gültige Betriebsanlagengenehmigung erworben. (Markus Rohrhofer, 15.12.2017)

  • Rainer Oberwagner (Mitte) und Stefan Grubmair (rechts) mit den TIM-Beratern an der Hightech-Saftpresse.
    foto: wolfgang simlinger

    Rainer Oberwagner (Mitte) und Stefan Grubmair (rechts) mit den TIM-Beratern an der Hightech-Saftpresse.

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