Gute Noten für transparentere Begutachtungsprozesse in der Forschung

17. Dezember 2017, 16:50
1 Posting

Studie des Grazer Know Centers sieht Wunsch nach Wandel der herkömmlichen anonymen Begutachterverfahren zu einem transparenteren Prozess

Graz – Bei wissenschaftlichen Publikationen setzen sich "Open Peer Reviews" immer stärker durch. Dabei wird der Begutachtungsprozess im Gegensatz zum traditionellen Peer Review zum Einblick oder auch zur Beteiligung geöffnet und Gutachten sowie teils auch deren Verfasser öffentlich gemacht. Ein Großteil der Wissenschaftscommunity befürworte diese Variante, teilte das Know Center in Graz am Donnerstag mit.

Die klassische Maßnahme zur Qualitätskontrolle bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist das Peer Review-Verfahren. Das eingereichte Manuskript des Wissenschafters kommt dabei an zwei bis drei Gutachter, die anonym bleiben. Die Manuskriptautoren erfahren in der Regel jedoch den Namen des Fachkollegen nicht und deren Gutachten werden nicht veröffentlicht. Durch diese eingeschränkte Transparenz könne es leicht zu unfairen Beurteilungen kommen, urteilen Kritiker.

Wie Tony Ross-Hellauer vom Know Center in Graz hervorhob, sollten Peer Reviews "kein Schattendasein" führen. "Innovationen wie das Veröffentlichen der Gutachter-Namen und das Publizieren von Gutachten sind wichtige Maßnahmen, um den Reviewprozess transparenter zu gestalten und um ihn glaubhafter zu machen", so Ross-Hellauer. Er berief sich auf eine jüngst durchgeführte Studie, die ergeben habe, dass 60,3 Prozent der Befragten – die selbst als Autor, Reviewer oder Editor tätig waren – finden, der Open Peer Reviews solle im Mainstream der wissenschaftlichen Praxis verankert werden.

Online-Befragung

Das Know Center hat die Online-Befragung durchgeführt und die mehr als 3.000 eingegangenen Antwortbögen ausgewertet. Unter den Befragungsteilnehmern waren 54,3 Prozent zwischen 35 und 54 Jahre alt, 61 Prozent stammten aus Europa und knapp 90 Prozent waren im naturwissenschaftlichen, technischen oder medizinischen Bereich tätig.

"Starke Zustimmung" habe es laut Ross-Hellauer vor allem für den persönlichen Austausch zwischen Gutachtern und Autoren gegeben. Für das Publizieren von Gutachten gab es "starke Zustimmung". Die Mehrheit der Befragten stehen jedoch der Veröffentlichung der Gutachternamen kritisch gegenüber.

Großer Zuspruch für Open Access

Die Zufriedenheit mit gängigen Peer Review-Methoden sei allerdings auch von den jeweiligen Fachrichtungen, in denen die Befragten tätig waren, abhängig, berichtet Birgit Schmidt von der Niedersächsischen Staats-und Universitätsbibliothek Göttingen. Das würde zeigen, "dass keine Einheitslösung wünschenswert sei".

Laut den Auswertungen ist auch die Einstellung der Teilnehmer zum Bereich von Open Science durchwegs positiv: Demnach haben sich 88 Prozent für den freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur ausgesprochen, 80 Prozent standen Open Data, also Daten, die ohne Einschränkung genutzt, weiterverbreitet und -verwendet werden dürfen, positiv gegenüber. Die Ergebnisse im Detail wurden im Open Access Magazin "Plos One" veröffentlicht. (APA, 17.12.2017)

Share if you care.