40.000 wollten mit Niki heimreisen, auch Niki-Mitarbeiter gestrandet

Video14. Dezember 2017, 14:07
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Das Aus für den "Mallorca-Shuttle" trifft zehntausende Reisende. In Österreich sind 5.000 betroffen

Wien/Schwechat/Frankfurt – Nach dem Aus für den Urlaubsflieger Niki haben auch außerhalb Österreichs Rettungsaktionen begonnen. Hierzulande laufen wie berichtet die Vorbereitungen für die Rückholung von 5.000 gestrandeten Passagieren. Auch die deutschen Fluglinien wollen bei dem Rücktransport von Passagieren aus dem Ausland helfen. Nach Angaben von Masseverwalter Lucas Flöther wollten in den nächsten 14 Tagen 40.000 Personen mit Niki ihre Heimreise antreten, davon hatten 15.500 selbst gebucht. Tausende Urlauber warten auf Mallorca auf alternative Heimflüge.

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Besonders viele Flüge hatte Niki nach Mallorca, seit die Airline unter dem Stichwort "Niki wird neuer Mallorca-Shuttle" im März für Air Berlin den gesamten Mallorca-Verkehr aus dem deutschsprachigen Raum übernommen hatte – nicht nur aus Österreich, sondern insbesondere aus Deutschland und der Schweiz. Aus Österreich hatte Niki im Winterflugplan zwölf wöchentliche Verbindungen nach Mallorca, samt Abflügen aus deutschen und Schweizer Städten standen 145 Flüge pro Woche auf dem Flugplan.

10.000 Passagiere am kommenden Wochenende

Nach Angaben der spanischen Flughafengesellschaft Aena fallen allein an den ersten vier Tagen nach der Insolvenz 72 Flüge von und nach Palma de Mallorca aus. Vor allem am Wochenende hatte es eine starke Frequenz gegeben: Am Freitag hätten 18 Niki-Maschinen starten und landen sollen, am Samstag 32 und am Sonntag 16, hieß es. Diese 66 Flüge hätten rund 10.000 Passagiere befördern sollen.

Anders als am Flughafen Wien-Schwechat, wo bei einem Lokalaugenschein Donnerstagvormittag keine gestrandeten Passagiere auffielen, saßen in Deutschland Fluggäste fest. Mehrere Dutzend Niki-Kunden waren Donnerstagfrüh zum Berliner Flughafen Tegel gekommen, obwohl die Airline den Flugbetrieb am Vorabend eingestellt hatte. Vor den Filialen der Reisebüros bildeten sich Schlangen. "Wir haben von nichts gewusst", sagte ein Familienvater, der mit Frau und Tochter in der Nacht aus Polen angereist war. "Ich bin fassungslos", meinte eine Kundin in Berlin, der am Schalter mitgeteilt wurde, dass sie erst am nächsten Tag würde fliegen können. "Ich rief gestern noch am Flughafen an", sagte sie. "Da sagte man mir noch, alles läuft planmäßig."

Ratlosigkeit bei Pauschalreisenden

Pauschalreisenden war laut deutschen Medien von ihren Reisebüros geraten worden, trotz Insolvenz zum Flughafen zu fahren, um Entschädigungsansprüche geltend zu machen. "Sie haben mir gesagt, wir sollen trotzdem zum Flughafen kommen", sagte Wolfgang Sonne aus Rathenow, der mit seiner Frau ebenfalls in Tegel wartete. "Ich habe keine Ahnung, wie es jetzt weitergeht."

Am Flughafen in Stuttgart warteten Kunden Donnerstagfrüh vergeblich auf zwei Verbindungen nach Wien und Marsa Alam in Ägypten. In Wien waren 15 Passagiere Donnerstagfrüh für diesen gestrichenen Flug angereist, die offenbar nicht so gut informiert waren wie die Mehrzahl der Reisenden, die zu Hause geblieben waren. Außerdem wurde die vorgesehene Landung einer Maschine aus Marsa Alam abgesagt. Durchschnittlich 20 Flüge der insolventen Air-Berlin-Tochter gingen pro Woche über Stuttgart. Am Flughafen Hamburg fielen ebenfalls zwei Flüge aus. Die Abflüge nach Fuerteventura und Mallorca waren den Angaben des Flughafens zufolge für Vormittag und Nachmittag vorgesehen gewesen.

Wut bei Niki-Mitarbeitern

Bei den Niki-Mitarbeiter herrscht Wut. Sie seien vor allem auf das Air-Berlin-Management wütend, sagte Betriebsratschef Stefan Tankovits der Austria Presse Agentur, immerhin sei Niki noch vor drei Jahren ein gesundes Unternehmen gewesen. Am Donnerstag gab es für die Belegschaft eine Informationsveranstaltung, die sehr "emotionsgeladen" gewesen sei. Tankovits mahnt dennoch zur Ruhe, die Arbeitsverträge seien weiter aufrecht und nur die Piloten und Flugbegleiter aufgrund des Groundings quasi freigestellt.

Betriebsrat und Arbeiterkammer werden die Mitarbeiter in den nächsten Tagen informieren. Wann eine Betriebsversammlung stattfindet, steht noch nicht fest. Tankovits geht davon aus, dass sich die Zukunft von Niki in den nächsten Tagen entscheidet. Nach einem Gespräch mit dem Insolvenzverwalter sei sein Informationsstand, dass es Interessenten und damit Hoffnung gebe.

Niki-Mitarbeiter gestrandet

Nach der Einstellung des Flugbetriebs sind neben den Passagieren auch ungefähr 70 Niki-Mitarbeiter gestrandet. Diese seien mittlerweile entweder mit Eurowings oder im Zug nach Wien befördert worden. Grundsätzlich haben bei Niki alle 1.000 Mitarbeiter österreichische Arbeitsverträge, allerdings sind ungefähr 200 in Deutschland stationiert. Viele Mitarbeiter treten ihren Dienst in Wien an und fliegen quasi als Passagiere zu jenem Flughafen, auf dem sie als Pilot oder Flugbegleiter im Einsatz sind.

Entscheidend sind nun die nächsten Tage, denn vorerst ist in Österreich kein Insolvenzverfahren beantragt. Solange das nicht der Fall ist, könne auch der österreichische Insolvenzentgeltfonds nicht einspringen, sagt Tankovits. (APA, red, 14.12.2017)

  • Niki-Mitarbeiter auf dem Weg zur Versammlung.
    foto: apa

    Niki-Mitarbeiter auf dem Weg zur Versammlung.

  • Wütend seien sie vor allem auf das Air-Berlin-Management, sagt Betriebsratschef Stefan Tankovits.
    foto: apa/georg hochmuth

    Wütend seien sie vor allem auf das Air-Berlin-Management, sagt Betriebsratschef Stefan Tankovits.

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