Zuversichtliche Therapeutin, enttäuschter Zauberer: Wo man in Wien mit Bitcoins zahlen kann

    20. Dezember 2017, 17:00
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    Derzeit werden Bitcoins noch eher als Geldanlage anstatt als Zahlungsmittel verwendet

    Wer noch immer nichts von Bitcoin gehört hat, dürfte in den letzten Wochen wohl kaum Nachrichten konsumiert haben. Die Kryptowährung ist aufgrund ihres schwindelerregenden Kurses in aller Munde. Ein Bitcoin ist je nach Tageswert derzeit über 16.000 Euro wert. Wer früh darin investiert hat, kann jetzt auf einem kleinen Vermögen sitzen. Aber was macht man damit? Wir haben uns in Wien umgesehen, wo man bereits mit Bitcoins bezahlen kann und welche Erfahrungen die Anbieter bisher damit gemacht haben.

    Physiotherapie in Bitcoins zahlen

    Klarer Weise setzen zuerst technikaffinere Unternehmen darauf. Es gibt aber auch Anbieter, bei denen man nicht auf den ersten Blick erwartet, dass man mit Bitcoins zahlen kann. Beispielsweise im Therapiezentrum Rosensteingasse. Dort kann man Termine bei der Physiotherapeutin und Osteopathin Johanna Hocher seit Ende November damit bezahlen. "Mir gefällt das Konzept einer weltweiten, elektronischen Währung. In den nächsten Jahren wird generell der bargeldlose Handel verstärkt in den Vordergrund rücken. Die Wenigsten freuen sich über ihre schweren Geldbörsen, gefüllt mit Karten und Münzen", erklärt Hocher ihre Motivation gegenüber dem STANDARD. Aufmerksam wurde sie auf die Möglichkeit durch Erzählungen eines Patienten und ihres Partners.

    Bisher hat noch niemand eine Therapiestunde bei Hocher mit Bitcoins bezahlt. Die Physiotherapeutin ist jedoch zuversichtlich. In Bitcoins sieht sie eine optimale Alternative zur Abhängigkeit von Banken und Staat. "Sie sind fälschungssicher, inflationsgeschützt, die Transaktionsgebühren sind transparent und einheitlich. Bitcoins sind weltweit zugänglich und die Übertragung des Geldes funktioniert rasch und ist nachvollziehbar. Am Handy hat man sie immer bei sich, ohne zusätzliches Gewicht", zählt Hocher die Vorteile auf.

    Ernüchterung beim Zauberkünstler

    Auch der Wiener Zauberkünstler Philipp Kainz bot eine Zeit lang an, seine Dienste in Bitcoins entlohnen zu lassen. Doch er zeigt sich heute weniger enthusiastisch. "Ursprünglich habe ich Bitcoins als Marketinggag akzeptieren wollen, aber es hat in zwei Jahren kein einziger Kunde mit Bitcoins gezahlt. Ich denke auch, dass meine Zielgruppe selbst noch nicht sehr viel mit Bitcoins zu tun hat", sagt Kainz zum STANDARD. Er selbst habe vor einiger Zeit zwar ein paar Bitcoins gekauft, da er die Idee einer unabhängigen Währung interessant fand. Doch bezahlt hat er auch noch nichts damit.

    Bitcoins aktiv als Zahlungsmittel einzusetzen, ist für Physiotherapeutin Hocher allerdings ein wichtiger Punkt. "Sonst verfehlt das Konzept seinen Nutzen." Dass Bitcoins derzeit jedoch eher für Geldanlagen anstatt als Zahlungsmittel genutzt werden, sieht man auch im Hotel Schani am Wiener Hauptbahnhof. Dort kann man seit Mitte 2016 an der Bar und im Shop bezahlen. Bislang gab es laut dem Hotel maximal 50 Zahlungen an der Bar. "Also besteht anscheinend nicht sehr viel Interesse mit Bitcoin zu zahlen", so Sprecherin Anita Komarek. Anders sieht das beim Automaten aus, der seit August 2017 in der Lobby steht. "Durchschnittlich benutzen den Automat 25 Personen pro Tag um digitale Währungen zu kaufen bzw. zu verkaufen."

    Einige Geschäfte versuchen nun auch kurz vor Weihnachten vom Hype um die Kryptowährung zu profizieren. So hat der Juwelier Berghammer in der Wiener Neubaugasse vor kurzen bekannt gegeben, dass man Uhren, Schmuck und Dienstleistungen im Geschäft nun mit Bitcoins bezahlen kann. "Durch Bitcoins sind viele Menschen in sehr kurzer Zeit sehr reich geworden. Nur kann dieser Reichtum in den seltensten Fällen genutzt werden", so Werner Berghammer in einer Aussendung. Der Juwelier glaubt durchaus, dass ein Teil seiner Kundschaft schon bereit dafür ist. "Der Durchschnittsbürger wird wahrscheinlich noch nichts damit anfangen können. Aber Technikaffine bzw. -interessierte aus der Generation zwischen 14 und 35 Jahren sind absolut die Zielgruppe."

    Akzeptanzstellen finden

    Geschäfte und Dienstleister zu finden, die das Kryptogeld als Zahlungsmittel akzeptieren, ist beim Bummeln durch die Straßen nicht wirklich möglich. Die Akzeptanzstellen findet man im Internet, wo sonst. Auf Coinmap.at etwa werden Geschäfte mit Bitcoin-Zahlung auf einer Karte angezeigt. (Birgit Riegler, 20.12.2017)

    • Im Hotel Schani zahlen noch nicht viele Leute mit Bitcoins, der Automat in der Lobby wird aber schon intensiv genutzt.
      foto: hotel schani

      Im Hotel Schani zahlen noch nicht viele Leute mit Bitcoins, der Automat in der Lobby wird aber schon intensiv genutzt.

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