Psychosen in großer Höhe sind eigenes Krankheitsbild

14. Dezember 2017, 09:00
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Innsbrucker Forscher kommen in einer Studie zum Schluss, dass psychotische Schübe bei Extrembergsteigern nicht nur auf die Höhenkrankheit zurückzuführen sind

Innsbruck – Ein unter Extrembergsteigern gefürchtetes Phänomen wurde nun von Forschern der Medizinischen Universität Innsbruck als eigenes Krankheitsbild identifiziert. Starke Halluzinationen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen: Die Schübe der "isolierten höhenbedingten Psychose" wurden bisher hauptsächlich mit der akuten Höhenkrankheit in Verbindung gebracht, dürften aber mitunter andere Ursachen haben.

"Wir haben herausgefunden, dass es eine Gruppe von Symptomen gibt, die rein psychotisch sind, das heißt, dass sie zwar mit der Höhe zusammenhängen, jedoch weder auf ein Höhenhirnödem noch auf andere organische Faktoren wie Flüssigkeitsverlust, Infektionen oder organische Erkrankungen zurückzuführen sind", sagte Hermann Brugger vom Institut für Alpine Notfallmedizin der Medizinischen Universität Innsbruck.

Erhebliches Unfallrisiko

Für ihre Studie im Fachblatt "Psychological Medicine" werteten die Forscher 80 in der Literatur beschriebene psychotische Episoden von Bergsteigern aus und analysierten die Symptome systematisch. Meist würden die psychotischen Schübe über 7.000 Höhenmetern auftreten, beim Abstieg in niedrigere Lagen aber wieder vollständig verschwinden – ohne Folgeschädigungen des Gehirns.

Die genauen Ursachen seien noch nicht geklärt, Faktoren wie Sauerstoffmangel, die soziale Isolation in einer Extremsituation und eine beginnende Schwellung in gewissen Hirnregionen dürften aber eine Rolle spielen, so Brugger. "Es ist äußerst wichtig, dass Extrembergsteiger über diese vorübergehenden Phänomene informiert sind", so Brugger. Um die erhebliche Unfallgefahr durch Psychosen am Berg zu reduzieren, sei Aufklärung von großer Bedeutung. (red, 14.12.2017)

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