Neonatologe: "Fötus ist der Passivraucher par excellence"

    13. Dezember 2017, 10:51
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    In Österreich sterben täglich zwei bis drei Menschen an den Folgen des Passivrauchens. Besonders hoch ist die Gefahr von Schäden bei ungeborenen Kindern

    Passivrauchen schädigt nachweislich die Gesundheit. Doch die dadurch erfolgende Schädigung beschränkt sich längst nicht nur auf Erwachsene. "Der Fötus ist der Passivraucher par excellence", sagt Arnold Pollak, ehemaliger Chef der Universitäts-Kinderklinik (MedUni Wien/AKH) und international renommierter Neonatologe, zu den Plänen der schwarz-blauen Koalitionsverhandler.

    "Das für die damalige Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) entscheidende Argument habe ich damals im Obersten Sanitätsrat vorgebracht. Der Erwachsene kann das Kohlenmonoxid, das als Abbauprodukt beim Rauchen entsteht, abatmen. Das ungeborene Kind kann das nicht. Föten haben um zwei Drittel höhere Kohlenmonoxidkonzentrationen im Blut als die Schwangeren", sagt Pollak.

    Gefährliche Langzeitfolgen

    Erwachsene könnten Raucherlokalen etc. eventuell ausweichen, Ungeborene seien einer Passivrauchbelastung schutzlos und intensiver ausgeliefert. Wenn beispielsweise durch irgendeinen zusätzlichen Faktor an sich schon ein Defizit in der Sauerstoffversorgung des Ungeborenen bestehe, könne die zusätzliche Kohlenmonoxidbelastung durch das Passivrauchen fatale Folgen haben.

    Das sei besonders schädlich und erzeuge auch Langzeitwirkungen für das spätere Leben der Kinder, betont der Experte. Zum Beispiel kämen Kinder dann mit einer reduzierten Lungenfunktion auf die Welt.

    Passivraucher aktiv gefährdet

    In Österreich sterben täglich zwei bis drei Menschen an den Folgen des Passivrauchens. Das haben Forscher der Med-Uni Wien im Zuge einer im März 2017 veröffentlichten Studie berechnet. Als besonders gesundheitsschädlich gilt der Nebenstromrauch, also jener Qualm, der direkt von der glimmenden Zigarette abgegeben wird. Er macht mit rund 85 Prozent den größten Teil des Zigarettenrauchs in der Raumluft aus.

    Vor allem die darin enthaltene organische Verbindung Acrolein (Acrylaldehyd) ist laut Medizinern Hauptursache für das erhöhte Krebsrisiko beim Passivrauchen. Sie heftet sich an Möbel und Textilien und kann so auch später noch über die Haut aufgenommen werden.

    Rauchverbot wirkt

    Menschen, die in der Gastronomie arbeiten, leiden am stärksten unter Passivrauch. Eine Stunde in einem verqualmten Raum entspricht den Giftstoffen, die beim Rauchen einer Zigarette aufgenommen werden, heißt es von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie.

    Dass das Rauchverbot in der Gastronomie wirkt, zeigen Untersuchungen aus Deutschland, wo das Gesetz 2007 in Kraft trat. Aktuell sterben dort laut einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf jährlich 167 Passivraucher an Lungenkrebs, 1994 waren es noch 400. (gueb, bere, APA, 13.12.2017)

    • Passivrauchen: Als besonders gesundheitsschädlich gilt der Nebenstromrauch, also jener Qualm, der direkt von der glimmenden Zigarette abgegeben wird.
      foto: reuters

      Passivrauchen: Als besonders gesundheitsschädlich gilt der Nebenstromrauch, also jener Qualm, der direkt von der glimmenden Zigarette abgegeben wird.

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