"Krone"-Streit: Höchstrichter weisen deutsche Eigentümer ab

13. Dezember 2017, 07:00
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Der Streit um Österreichs größtes privates Medium beschäftigt nun gar Schweizer Höchstrichter. Doch auch die ließen die deutschen "Krone"-Gesellschafter im Kampf um Geld und Einfluss abblitzen

Wien – Am Donnerstag beraten sechs entscheidende Herren im Gesellschafterausschuss die Lage bei Österreichs größtem Verlagskonzern Mediaprint. Und die ist auf den ersten Blick gar nicht so übel, auf den zweiten aber verzwickt wie eh und je.

Das Positive: Die Mediaprint soll 25 bis 30 Millionen Euro Ergebnis bringen, nach zuletzt 21 Millionen. Kein Spitzenwert in der Geschichte der Krone-Kurier-Tochter Mediaprint und schon gar nicht ihres großen Finanzmuskels Krone. Aber ein Ergebnis, das die deutschen Krone-Eigentümer davor bewahrt, ihre auch nicht armen österreichischen Partner zu alimentieren.

Erst diesen Sommer überwies die Essener Funke-Mediengruppe der Krone-Familie Dichand einen – kolportiert – zweistelligen Millionenbetrag. Mit Zinsen, denn die österreichischen Hälfteeigentümer des großen Kleinformats mussten ein paar Jahre auf ihren Garantiegewinn warten.

1987 ließ Krone-Gründer Hans Dichand sich, seiner Frau und seinen Nachkommen von der Funke-Gruppe einen Garantiegewinn zusichern, als sie mit 50 Prozent bei der Krone einstieg. Wenn die Krone den Vorabgewinn nicht abwirft, müssen die deutschen Mitgesellschafter zahlen. Über den hohen einstelligen Millionenbetrag pro Jahr und andere Vorrechte der Dichands in diesen Syndikats- und Gesellschaftsverträgen streiten Funkes und Dichands spätestens seit 2000.

Abfuhr in der Schweiz

Zuständig für Gesellschafterstreit sind Schiedsgerichte nach Schweizer Recht. Beide Seiten nominieren einen Vertreter, die einigen sich auf einen Vorsitzenden und entscheiden. Zuletzt über die Kündigung der Syndikatsvereinbarungen durch die Funke-Gruppe. Ausgesprochen 2014, vom jüngsten Schiedsgericht abgelehnt im März 2017. Die Begründung reichten die Schiedsrichter vor dem Sommer nach.

Nach STANDARD-Infos erklärten sie ihre Abfuhr rein formal: Die Verträge der Krone-Gesellschafter dürften erst ab Ende 2017 gekündigt werden. Bestätigungen stehen aus – beide Seiten schweigen beharrlich zu ihren Streitigkeiten.

Die Funke-Gruppe mochte die Abfuhr der Schiedsrichter nicht akzeptieren und wandte sich an das Schweizer Höchstgericht. Das freilich wies die Beschwerde gegen das Schiedsverfahren ab und bestätigte es als vertraglich fixierte zuständige Stelle. Beim Schweizer Bundesgericht bestätigt man auf STANDARD-Anfrage die Funke-Beschwerde; die Höchstrichter hätten schon entschieden und die Parteien informiert. Eine Begründung werde nachgereicht.

Mediaprint-Geschäftsführer musste gehen

Auf die Schweizer Höchstrichter wartete die Funke-Gruppe erst gar nicht mit der nächsten Kündigung: Im Juni soll der deutsche Verlagskonzern eine außerordentliche Kündigung der Krone-Verträge ausgesprochen haben. Begründung damals: der von der Krone entsandte Mediaprint-Geschäftsführer Gerhard Riedler, dessen Abrechnungen und Bonuszahlungen die Funke-Gruppe damals überprüfen ließ. Das erklärt, warum sich der damals zwischen die Fronten der Krone-Eigentümer geraten sah. Und seinen raschen einvernehmlichen Abgang mit Anfang Juli 2017. Mit ihm ging der dringliche Grund für eine außerordentliche Kündigung der Verträge über Vorrechte der Familie Dichand.

Es dürfte nicht die letzte gewesen sein, ab Jahresende 2017 sehen die Verträge selbst ihre Kündbarkeit vor. Doch auch die ist juristisch nicht unumstritten und wird wohl das nächste Schiedsgericht beschäftigen, diesmal inhaltlich.

Wenn sich die Krone-Gesellschafter nicht doch noch auf eine einvernehmliche Scheidung einigen. Womöglich mit der nächsten Generation der Funke-Eigentümer nach Petra Grotkamp. Sie hat Krone-Herausgeber und Erbenvertreter Christoph Dichand schon vor dem Schiedsgericht erklärt, sie wolle mit ihm nichts mehr zu tun haben. Mit 2018 ist Grotkamps Tochter Julia Becker Funke-Aufsichtsratschefin und -Miteigentümerin.

Lange schon verhandeln Dichands und Funkes über einen Verkauf. Bisher liegen die Preisvorstellungen weit auseinander – von gut 60 bis 120 Millionen Euro für 50 Prozent an der Krone.

Schlüsselspieler Raiffeisen

Wenn sich die Funke-Gruppe von der Krone verabschiedet, dann wohl auch von deren Mediaprint-Partner Kurier, wo sie knapp unter 50 Prozent hält. Sagen Menschen mit Einblick in die Essener Überlegungen.

Das klingt nach einem alten Traum von Christian Konrad, lange Boss und Medienstratege von Kurier-Haupteigentümer Raiffeisen: einer Raiffeisen-Beteiligung auch an der Krone. Doch mit Konrads Abschied von der Raiffeisen-Brücke und den Eigenkapitalvorschriften für Bankbeteiligungen soll das bei Raiffeisen kein Thema mehr sein, heißt es dort.

Der Mediaprint – wo einander Krone und Kurier seit bald 30 Jahren belauern – könnte ein solcher Deal einiges erleichtern. Der Kurier pocht bisher auf seine 30 Prozent Gewinngarantie aus den Mediaprint-Verträgen. Die Krone hat die Garantie schon bekämpft – und holte sich eine Abfuhr bei einem Schweizer Schiedsgericht. (Harald Fidler, 13.12.2017)

  • "Krone"-Zentrale: Hier entsteht Österreichs noch immer größte und wieder ziemlich kampagnenfreudige Tageszeitung.
    foto: standard/fidler

    "Krone"-Zentrale: Hier entsteht Österreichs noch immer größte und wieder ziemlich kampagnenfreudige Tageszeitung.

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    Neue starke Frau bei der Funke-Mediengruppe: Julia Becker.

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