Innovationen messbar machen

16. Dezember 2017, 16:00
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Forscher entwickeln Messsystem für KMU-Performance

Graz – Bringt ein Konzern ein neues Produkt auf den Markt, wird dieser Prozess von einer Reihe von Marktbeobachtungs- und -forschungsinstrumenten sowie einer Kostenrechnung begleitet. In Klein- und Mittelunternehmen (KMU), die noch dazu anstelle von Produktionsgütern beispielsweise Dienstleistungen im digitalen Bereich anbieten, ist die Bewertung von Innovationen weniger leicht fassbar und mit den vorhandenen Möglichkeiten kaum umsetzbar.

"In KMUs gibt es oft keine großen strategischen Vorgaben. Zudem kann der Erfolg nicht immer in Erlösen oder anderen monetären Zahlen gemessen werden", sagt Elisabeth Pergler von der Studienrichtung Informationstechnologien und Wirtschaftsinformatik der FH Campus 02 in Graz.

Performancemesssystem entwickelt

Der Erfolg einer neuen Website, die auf Imagebildung und Steigerung der Bekanntheit abzielt, kann nicht allein an den Umsätzen gemessen werden. In so einem Fall könnte etwa eine relevante Kennzahl sein, wie viele Personen, die sich auf der Website informieren, tatsächlich angebotene Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Pergler hat mit Kollegen ein Performancemesssystem für Innovationen im Dienstleistungsbereich entwickelt, das es Unternehmen erleichtern soll, ihre Maßnahmen ohne großen Aufwand zu bewerten. Alle Beteiligten eines Innovationsprozesses sind dabei auch am Bewertungsprozess beteiligt. Die gemeinsame Erarbeitung des Messsystems verstärke dabei auch die Identifikation mit den Unternehmenszielen und wirke motivierend, erklärt die Wirtschaftsinformatikerin.

Die Forscher entwickeln gemeinsam mit den Unternehmen in Workshops eine sogenannte Leistungslandkarte, in der die Perspektiven aller Abteilungen, der Führungsebene, aber auch der Kunden zusammenfließen. Bei der Etablierung des Messsystems beginnt man am besten damit, den Unternehmensprozess zu modellieren, also alle Schritte, die zur Erbringung einer Dienstleistung notwendig sind, genau aufzuzeichnen, sagt Pergler.

Danach schaut man sich an, wer involviert ist und welche Kennzahlen bereits erhoben werden und wer Zugriff auf sie hat. "Die Buchhaltung kennt wahrscheinlich die Zahlungsmoral der Kunden. Vielleicht ist diese Information aber auch für den Vertrieb interessant", gibt die Forscherin ein Beispiel. Auf Basis der gesammelten Informationen wird eine Kennzahlensystematik entwickelt, die den verschiedenen Dimensionen des Unternehmenserfolgs gerecht wird. Bereits erhobene Kennzahlen werden Strategien zugeordnet und mit weiteren ergänzt, um eine ausgewogene Systematik zu etablieren.

An die 50 Unternehmen arbeiten bereits mit dem neuen Performancemesssystem. Das Werkzeug soll künftig Teil der FH-Lehre werden. Die Absolventen können es dann in ihren Unternehmen einsetzen. (pum, 16.12.2017)

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