Spaßwettrüsten am Golf: Erstmals seit 1979 spielt ein westlicher Popact im Iran

    12. Dezember 2017, 17:34
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    38 Jahre nach der Revolution tritt Schiller in Teheran auf

    Teheran/Riad/Wien – Wenn es einen erkennbar positiven Effekt des Kalten Kriegs am Persischen Golf gibt, dann ist es der neu ausgebrochene Kulturkampf zwischen den beiden Kontrahenten, Iran und Saudi-Arabien. Denn dabei geht es nicht darum, wer von den Staaten – die beide islamische, wenngleich grundverschiedene Systeme haben – frömmer, sondern wer weniger streng ist.

    Im Iran und in Saudi-Arabien soll auf die Wünsche der global vernetzten Jugend eingegangen werden. Und die wünscht sich Unterhaltung: Film, Theater, Musik, Sport. Auch wenn es bisher noch so wenig war und immer unter Druck eines interventionsbereiten Klerus: Was es im Iran gab, war doch ungleich mehr als in Saudi-Arabien. Aber dort wurde nun unter Kronprinz Mohammed bin Salman das Zeitalter des Entertainments eingeläutet: Es gibt neuerdings Konzerte, in Kürze werden Kinolizenzen vergeben.

    Der Iran hat Saudi-Arabien zwar immer noch die Kleinigkeit von Parlaments- und Präsidentenwahlen (durch die Vorauswahl der Kandidaten gelenkt, aber immerhin) voraus, aber wenn es so weitergeht, dann läuft Riad Teheran noch glatt den Rang ab, was die Vergnügungen anbelangt. Nach und nach sollen auch noch die Sportstadien für Frauen geöffnet werden, drei sind es schon.

    Elektronikband Schiller

    Nun performt die Elektronikband Schiller in der iranischen Hauptstadt Teheran, es ist das erste Popkonzert einer westlichen Band im Iran seit der Revolution 1979. Kulturminister Abbas Salehi sagte in einem Interview, dass die Regierung versuche, die Ansichten jener Kleriker zu verändern, die dagegen seien: Dieser Satz könnte auch in Saudi-Arabien gesagt worden sein.

    Dass Salehis Vorgänger Ali Jannati 2016 gehen musste, hatte zumindest indirekt auch mit einer Konzertkontroverse zu tun: Jannati war vor der Geistlichkeit von Mashhad eingeknickt, die ein von den Behörden zuvor genehmigtes Konzert in der schiitischen Pilgerstadt verboten haben wollte. Präsident Hassan Rohani, der seine Wahlversprechen an die Jugend ohnehin nur unzureichend einhalten kann, hatte damals seinen Ärger offen gezeigt.

    Immer wieder werden im Iran Konzerte in letzter Minute abgesagt, auch die Erlaubnis des Kulturministeriums ist keine Garantie. Aber vielleicht hilft ja jetzt der Druck der vorsichtigen kulturellen Öffnung in Saudi-Arabien. (Gudrun Harrer, 13.12.2017)

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      Christopher von Deylen steht hinter dem Musikprojekt Schiller.

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      foto: apa/epa/georgios kefalas
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