Narek Hakhnazaryan: Ein Mann, der sein Cello singen lassen kann

    12. Dezember 2017, 15:41
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    Das armenische Klassiktalent gastierte im Wiener Konzerthaus

    Wien – Junge Ausnahmebegabungen bei ihrem Durchbruch in der internationalen Konzertwelt zu begleiten, das ist erklärtes Ziel der Reihe "Great Talent" des Wiener Konzerthauses. Der 1988 in Eriwan, Armenien, geborene Narek Hakhnazaryan gilt schon jetzt als "Cellophänomen" – und dies ebenso zu Recht, wie ihm mit einiger Wahrscheinlichkeit eine große Karriere vorausgesagt werden kann. Im Schubert-Saal präsentierte er sich gemeinsam mit dem Pianisten Pavel Kolesnikov aus Sibirien, Jahrgang 1989, und gleichermaßen mit allen solistischen Wassern gewaschen.

    Es war zweifellos ein glanzvoller Beweis ihres Könnens, den die beiden jungen Musiker ablieferten. Und ebenso zweifellos schöpften beide mit ihrem anspruchsvollen, vielseitigen Programm technisch und hinsichtlich ausdrucksmäßiger Maximierung aus dem Vollen. Musikantische Verve und virtuoser Glanz prägten nicht nur Robert Schumann (Adagio und Allegro As-Dur op. 70) und Johannes Brahms (F-Dur-Sonate op. 99), wobei schon hier Hakhnazaryan mit blendendem, großem Sound einem Ausdruckspathos huldigte, das ans Affektierte streifte.

    Manchmal auch Selbstzweck

    Er kann das Instrument wunderbar singen lassen, ja, doch klingt dies manchmal eher als Selbstzweck denn als interpretatorische Annäherung an die Stücke. Noch deutlicher war dies bei der Solosonate von György Ligeti, die der Cellist in eine romantisierende Klangwolke hüllte: Merkwürdig fremd standen so die perfekten Nachklang-Glissandi und das Kantable nebeneinander, das unter seinen Händen eher wie eine überzeichnete Karikatur von Expressivität wirkte.

    Dieser Eindruck setzte sich auch bei Dmitri Schostakowitschs Sonate d-Moll op. 40 fort, wo beide Musiker zwar die notierten Extreme (besonders im lauten Bereich) durchaus ausreizten, doch statt eines existenziellen Aufschreis eher muntere Gemütlichkeit suggerierten – eine an und für sich sehr wohlklingende Idylle, von der man aber bezweifeln muss, ob sie dem Stück angemessen ist. Großer Jubel, zwei Zugaben, großer berechtigter Erfolg – und doch das eine oder andere Fragezeichen.

    Beim nächsten Termin der Reihe "Great Talent" ist Narek Hakhnazaryan am 12. Jänner gemeinsam mit den Mezzosopranistinnen Dorottya Láng und Sophie Rennert sowie dem Pianisten Julius Drake zu erleben. (Daniel Ender, 13.12.2017)

    • Narek Hakhnazaryan steht als Cellist eine große Karriere bevor.
      foto: julia wesely

      Narek Hakhnazaryan steht als Cellist eine große Karriere bevor.

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