Neue Experimente mit der Giftspritze in den USA

    13. Dezember 2017, 08:14
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    Weil der Nachschub für die Medikamente für Hinrichtungen ausgeht, wollen einige Bundesstaaten mit Fentanyl töten

    Carson City / Wien – Wenn in den USA von Medikamenten- und Drogenmissbrauch die Rede ist, ist meist Fentanyl gemeint. Der Schmerzstiller ist vielfach stärker als Heroin und hat vergangenes Jahr einen neuen traurigen Rekord aufgestellt: Mehr als 20.000 Amerikaner starben 2016 an einer Überdosis des Medikaments – so viele wie an keiner anderen Substanz.

    Geht es nach den Behörden einiger US-Bundesstaaten, sollen noch mehr daran sterben. Denn die Justizvertreter in Nebraska und Nevada denken darüber nach, die tödliche Droge bei Hinrichtungen von zum Tode verurteilten Straftätern zu verwenden, berichtet die "Washington Post". Die Medikamentenmischung, die bisher bei Hinrichtungen verabreicht wurde, ist immer schwerer zu bekommen. Der Grund ist ein Boykott pharmazeutischer Unternehmen, die sich weigern, die Inhaltsstoffe für diesen Zweck zu liefern. Das ist auch der große Vorteil von Fentanyl für Bundesstaaten wie Drogenabhängige: Es ist vergleichsweise einfach zu bekommen. Ärzte verwenden es regelmäßig für Vollnarkosen bei Operationen.

    Warnungen vor Komplikationen

    Kritiker – darunter viele Ärzte – bemängeln, dass der neue Giftcocktail zu Komplikationen führen kann. Denn das Medikament wird nicht alleine injiziert, sondern gemeinsam mit Sedativen und paralysierenden Substanzen verabreicht. Laut Medizinern könnte der Mix dazu führen, dass die Verurteilten einen qualvollen Tod sterben, wenn die Medikamente nicht in der richtigen Dosis und Reihenfolge verabreicht werden. Wenn sie noch dazu durch die anderen verabreichten Medikamente gelähmt sind, würde ihren Todeskampf auch niemand mitbekommen.

    Die erste geplante Hinrichtung mit dem neuen Giftcocktail ist für 2018 geplant – wenn Gerichte das Experiment nicht stoppen. Offiziell bestätigen wollen Vertreter der beiden Bundesstaaten die Pläne nicht – viele versuchen möglichst wenige Informationen über ihre Hinrichtungsmethoden zu verraten, um eine erfolgreiche Anfechtung vor Gericht zu verhindern. Gegner der Todesstrafe bekamen etwa neuen Auftrieb, nachdem es durch das Ausprobieren neuer Medikamente bei Todeskandidaten zu qualvollen und oft langen Todeskämpfen gekommen war.

    Hinrichtung durch Gas

    Viele Bundesstaaten versuchen dennoch alles, um die Hinrichtungsmaschinerie am Laufen zu halten. Mississippi hat bereits Hinrichtungen durch Stickstoff legalisiert. Andere Staaten wiederum überlegen, den elektrischen Stuhl oder Erschießungskommandos wieder einzusetzen.

    All das vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Hinrichtungen in den USA dramatisch abnimmt, genauso wie die Zustimmung für das Töten von Straftätern. 2016 wurden 20 Personen in den USA durch den Staat hingerichtet – die geringste Zahl seit 20 Jahren.

    Zum Vergleich: 1999 wurden 98 Menschen exekutiert – die höchste Zahl seit der Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA 1976. 19 der 50 US-Bundesstaaten haben die Todesstrafe bereits zur Gänze abgeschafft. (red, 12.12.2017)

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