Herausforderung: Wie sich winzige Krebse Wasserturbulenzen widersetzen

13. Dezember 2017, 06:00
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Forscher wirbelten Ruderfußkrebse durcheinander und beobachteten deren Verhalten

Bern – Mit Größen zwischen 0,2 und 2 Millimeter gehören Ruderfußkrebse zum Zooplankton. Wasserwirbeln und Meeresströmungen scheinen die Winzlinge hilflos ausgesetzt, möchte man meinen. Tatsächlich sind sie aber auch inmitten von Turbulenzen zu aktiver Bewegung fähig, berichten Schweizer Forscher im Fachjournal "PNAS".

Das Experiment

Markus Holzner und sein Team von der ETH Zürich untersuchten die ein Millimeter große Ruderfußkrebs-Spezies Eurytemora affinis und stellten die Tierchen vor eine Herausforderung: Sie wurden in einen Turbulenzengenerator gesetzt – eine Art Aquarium, in welchem mit mehreren sich gegenläufig drehenden Scheiben das Wasser durcheinandergewirbelt wird. Hochgeschwindigkeitskameras zeichneten dabei die Bewegungen der Krebse auf.

Durch die Benutzung mehrerer Kameras konnte die genaue räumliche Position jedes Krebses verfolgt und seine Orientierung erkannt werden. Kleine Plastikpartikel, die unter dem Licht eines Laser fluoreszierten, erlaubten zudem das Beobachten der Strömung an jedem Ort. Damit konnte die Eigengeschwindigkeit jedes Tierchens relativ zur Strömung berechnet werden.

Ergebnisse

Die Forscher konnten so zeigen, dass sich das Zooplankton aktiv in den Turbulenzen bewegen kann. Die Krebse können mit Sprüngen ihre Beute jagen "und die Männchen ein Weibchen fangen". "Dies erlaubt es den Ruderfußkrebsen, im Schwarm zusammenzubleiben, was besonders für deren Fortpflanzung wichtig ist", so Holzner.

Die Erkenntnisse seien wichtig für das Verständnis von aquatischen Ökosystemen. Zugleich haben die Forscher auch eine nüchternere Anwendung ihrer Erkenntnisse im Sinn. Denn ihrem erstaunlichen Bewegungsvermögen zum Trotz spielen Ruderfußkrebse für den Menschen in erster Linie eine sehr prosaische Rolle: als Fischfutter. Holzner dazu: "Auch Fischzuchten könnten vielleicht die Strömungen einmal entsprechend anpassen, damit sich die Nahrungsaufnahme für die Fische optimal gestaltet." (APA, red, 13. 12. 2017)

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